AUS DER GESCHICHTE DER TEMESCHBURGER FESTUNG      von Anton Zollner - 1994

             1. Aus der Vorgeschicht der Festung
             2. Die Festung unter den Árpáden
             3. Temeschburg - die Hauptstadt Ungarns
             4. Die Festung bis zum Ende der Anjou-Dynastie
             5. Die Festung unter dem Hause Luxemburg
             6. Die Festung unter den Corvins
             7. Temeschburg vor dem Bauernaufstand
             8. Georgius Siculus (Székelyi) in Temeschburg
             9. Temeschburg im Schatten von Mohatsch
           10. Die Belagerung und der Fall Temeschburgs
           11. Temeschburg während der Türkenherrschaft
           12. Im Kampf gegen das Türkenjoch
           13. Temeschburg im Befreiungskampf
           14. Die Kapitulation der Türken
           15. Unter dem Zepter des Kaisers

 

Aus der Vorgeschichte der Temeschburger Festung (1)

Alle Autoren sind sich einig, daß es in der Zeit, als die Römer Dazien in ihre Provinz verwandelt hatten, auf dem Gebiet Temeschburgs oder in seiner Nähe einen Wehrbau mit dem Namen Zurobara oder Zambara gab. Auf der von Conrad Celtis entdeckten „Tabula Peutingeriana" (eine römische Straßenkarte aus dem 4. Jahrhundert, die nach dem Humanisten Konrad Peutinger benannt wurde) befindet sich Zambara in der Nähe der heutigen Ortschaft Jahrmarkt (amtlich: Giarmata). Laut Dr. Nicolae Iliesiu wurde während der Völkerwanderung von den Awaren an Stelle des zerfallenen Zambara die Festung Beguey errichtet, die ihren Namen vom Temesch-Arm Bega (Begh), an dessen Ufern sie stand, erhielt. Eigentlich war Beguey von den zwei armen der Temesch, die ihr Flußbett ständig verlagerten, eingeschlossen. Diese waren nämlich die Große Temesch (der heutige Fluß Temesch) und die Kleine Temesch, die auch Begh oder Begej genannt wurde (der heutige Bega-Kanal). Karl Kraushaar vertritt auch die Meinung, daß der Keim des heutigen Temeschburg Beguey und nicht Zambara war und bezieht sich dazu auf Johann Nepomuk Preyers „Monographie der königlichen Freistadt Temesvár".

Vor den Awaren, die über dieses Gebiet von 553 an zweihundert Jahre lang herrschten, zogen hier nach der Römerherrschaft auch andere Völker durch, wie die Vandalen, die Goten, die Gepiden, die Sarmaten und nach einer kurzen Herrschaft Konstantins des Großen folgten die Hunnen. Nach der Vertreibung der Awaren durch Karl den Großen im Jahr 790 kamen die Petschenegen ins Banat, gefolgt am Ende des Jahrtausends von den Magyaren. Dr. Iliesiu vertritt die Meinung, daß vor den Magyaren auf diesem Gebiet Kumanen, Bulgaren und Walachen lebten. Auch Dr. István Berkeszi berichtet (so wie Dr. Iliesiu), daß der walachische Fürst Glad, der über das Gebiet zwischen der Donau, Theiß und Marosch herrschte, von den Heerführern Árpáds, und zwar Szoárd, Kadocsa und Boyta besiegt wurde. Ebenfalls Dr. Berkeszi verzeichnet in seiner „Kleinmonographie der königlichen Stadt Temesvár", daß dieses Gebiet vom ersten ungarischen König Stephan dem Heiligen an Ungarn angeschlossen wurde, nachdem er den walachischen Herrscher Achtum besiegte.

Bis zum Ende des ersten Jahrtausends wird aber weder Beguey noch Temeschburg dokumentarisch erwähnt. Dies könnte man damit erklären, daß in jener Zeit die wichtigste Stadt des Banats Tschanad (Csanád; heute: Cenad) war. Sie war auch der Sitz des Banater Bistums. Die Wohnsiedlung, die außerhalb der Festung entstanden war, und die den Namen der Festung trug, wurde noch für längere Zeit als „Dorf" eingestuft. Über die erste indirekte dokumentarische Belegung Temeschburgs schreibt Dr. Iliesiu. Er erwähnt eine Urkunde, in der 1203 ein gewisser Poth als Temescher Comes (Graf) bezeichnet wurde. Daraus zieht er folgende Schlußfolgerung: Wenn es 1203 einen Temescher Comes gab, dann muß es auch schon Temeschburg als Sitz des Temescher Comitats gegeben haben. Laut Dr. Theodor N. Trâpcea soll es schon 1177 einen Temescher Comes gegeben haben, aber er macht keine näheren Angaben zu dieser Behauptung. Auch Mihai Opris vertritt die Meinung, die Temeschburger Festung sei seit 1177 dokumentarisch belegt, aber die Urkunde ist verloren gegangen.

Unwidersprochen ist die Tatsache, daß die Temeschburger Festung als „castrum regius Temesvar" seit 1212 dokumentarisch belegt ist. Sie wurde damals in einer von König Andres II. erlassenen Urkunde erwähnt. Laut Dr. Iliesiu schenkte dieser dem „Sebus"-er Comes (Schebuscher Comes) unter anderen auch das Gut Gyad aus der Nähe der Temeschburger Festung (terram Gyad ad quator aratra a castro Temesiensi). Dr. Berkeszi erwähnt 1900 dieselbe Urkunde, aber nach ihm ist der Beschenkte nicht der „Sebuser Comes", sondern der „Meister Sebus" (!?). Dr. Iliesiu vermutet aber, daß die Temeschburger Festung schon früher, und zwar im 10. Jahrhundert, errichtet wurde.

Da man aber diese Daten schon seit vielen Jahren (spätestens seit 1900) kennt, muß man sich die Frage stellen: Warum feierten die kommunistischen Machthaber im Jahr 1966 den 700. Jahrestag der Gründung Temeschburgs? Damals wurde auch der Grundstein eines Denkmals „Temeschburg - 700" auf dem Vasile-Pârvan- Boulevard (vor den Studentenheimen) gelegt, aber errichtet hatte man es niemals. An dieses Pseudojubiläum erinnert uns heute nur noch der Innenstädtische Lebensmittelmarkt, der den Namen „Timisoara-700" trägt.

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Die Temeschburger Festung unter den Árpáden (2)

Dr. Iliesiu beschreibt die Temeschburger Festung aus dem 10. Jahrhundert als einen Wehrbau, der dem awarischen Bausystem glich. Der Bau soll aus Erde und Stein bestanden haben, und war von mehreren Erdwällen umgeben. Außerhalb der Wälle verlief ein Wassergraben, und darüber hinaus waren die Moräste der Temesch. Aus diesem Grund wird diese Festung als Wasserburg bezeichnet. Von drei Seiten war die Festung von den Armen der Temesch umgeben, und die vierte Seite soll laut Mihai Opris vom schon erwähnten Wassergraben gesäumt gewesen sein. Nach demselben Autor soll der Wehrbau viereckig gewesen sein und die Maße 170 x 110 Meter gehabt haben.

Über den Ort, an dem die alte Festung gestanden haben soll, sind sich die Autoren nicht einig. Dr. Iliesiu vermutet, daß sie an der Stelle stand, wo sich heute die Staatsoper und der Freiheitsplatz (Piata Libertatii) befinden. Opris bezieht sich auf die Forschungen Niedermaiers und behauptet, daß diese etwas östlicher zwischen der Alba-Iulia-, Pietosu- und Bocsei-Straße stand. Auf dem südlichen Teil dieses Areals, in der Nähe des heutigen Hunyadi-Kastells (in dem das Banater Museum untergebracht ist), soll laut Dr. Iliesiu das Schloß der Festung gestanden haben. Ungefähr hundert Meter östlich vom Kastell, dort, wo vor einigen Jahrzehnten noch der Wachturm der Siebenbürger Kaserne stand, befand sich laut demselben Autor ein von Morästen umgebener Fleck trockenen Bodens, der „Insel" genannt war. Meines Erachtens sprechen die beiden Autoren eigentlich von zwei verschiedenen Burgen (Wehrbauten). Dr. Iliesiu meint die ältere Burg aus der Zeit der Árpáden, die sich vermutlich auf dem Platz befand, wo heute die Staatsoper steht. Mihai Opris bezieht sich aber wahrscheinlich auf die von Karl Robert später errichtete Burg, die nicht mehr aus Ton, sondern aus Stein errichtet wurde.

Außerhalb der Festungsmauern befand sich im Norden die Siedlung, die von leibeigenen Bauern bewohnt war. Die Siedlung, die aus unregelmäßigen Gassen bestand, war von Opris als „Dorf" bezeichnet, das sich im Laufe der Zeit zur Stadt Temeschburg entwickelt hat..

Aus der obigen Beschreibung ist zu erkennen, daß die Temeschburger Festung nur sehr ärmlich ausgestattet war, und aus diesem Grund wurde die Tschanader Festung für Königsbesuche bevorzugt. Trotzdem soll laut Dr. Berkeszi auch die Temeschburger Festung von den ungarischen Königen Ladislaus der Heilige, Stefan II., Géza II. und Stefan III. als Ausgangsort für ihre Kriegszügen benützt worden sein. Im 11. Jahrhundert gelangte die Festung für kurze Zeit unter die Herrschaft der Kumanenhorden, die aber von Ladislaus dem Heiligen für längere Zeit aus dem Lande gejagt wurden. 1212, im Jahre der dokumentarischen Belegung der Temeschburger Festung, wurde von König Andreas II. ein Reichsgesetz erlassen, wodurch die Würde eines Temescher Comes der eines siebenbürgischen Fürsten gleichgestellt wurde. 1241 brachen die Tataren (Mongolen) aus dem Norden kommend in das Banat ein und verwüsteten es. Nach ihrer Vertreibung befestigte König Béla IV. unter anderem auch die Temeschburger Festung. Die Mauern, die aus Erde und Stein bestanden, wurden diesmal aus mit Kalk gebundenen Steinen und Ziegeln errichtet. Die Wassergräben wurden auch vertieft und erweitert.

Ebenfalls aus Bélas Zeiten - 1235-1270 - (und nicht von Stefan, wie Dr. Iliesiu behauptet) stammt die 1266 erlassene Urkunde, aufgrund derer 1966 die 700. Jahresfeier der „Gründung" Temeschburgs gefeiert wurde. Mit dieser schenkte der König dem Comes Parabuch das Gut Rety, das bis dann der Temeschburger Festung gehörte. Gleichzeitig erhielt der Kumane Keyran das Gut Popth, das dem Temescher Comitat gehörte.

1278 wurde die Festung von König Ladislaus IV. in Begleitung des Tschanader Bischofs Gregor besucht. Er versammelte hier sein Heer, das er unter der Heerführung des Magisters Georgius gegen den walachischen Wojewoden Litowoj ins Feld schickte. Dr. Iliesiu notiert (nach J. N. Preyer) für diese Zeitspanne auch die Namen einiger Temescher Grafen (Comes), wie Hetze oder Helze (1214), Gylet (1233), Mathäus (1235), Dionisius (1240) und Stefan Csáky (1270).

1301 starb der letzte König vom Árpád-Stamm, ihm folgten die Könige des Hauses Anjou, deren erster Vertreter Temeschburg eine Blütezeit bescheren wird.

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Temeschburg - die Hauptstadt Ungarns (3)

Nach dem Aussterben der Árpáden-Dynastie bestieg Karl Robert als erster Vertreter des Hauses Anjou den ungarischen Thron. Er geriet bald in einen schweren Konflikt mit dem ungarischen Adel. Um die siebenbürgischen und banater Adligen auf seine Seite zu gewinnen, besuchte er 1307 zum ersten Mal Temeschburg. Bei dieser Gelegenheit erteilte er seine Anweisungen über die Art und Weise, in der eine neue königliche Festung erbaut werden sollte.

Die Begh (Bega - damals als Kleine Temesch bekannt) verzweigte sich bei Temeschburg in drei Arme, der mittlere davon floß ungefähr da, wo sich heute die Alba-Iulia-Straße (gewesene Peterwardeiner Gasse - später Rudolfgasse) befindet. Bekanntlich stand die Temeschburger Festung aus der Zeit der Árpáden zwischen dem mittleren und dem westlichen Arm (ungefähr da, wo jetzt die Staatsoper steht). Karl Robert ließ diese Festung aus Erde stehen und erbaute zwischen dem mittleren und dem östlichen Arm eine neue Festung aus Stein (ungefähr dort, wo heute das Modehaus „Modex" steht). So kam es, daß es eine Zeit lang zwei Temeschburger Festungen gab.
 

Die von Karl Robert errichtete Temeschburger Festung
A - die Festung, B - der Donjon, C - das Burgkastell, E - die Burgmauern, F - die Zugbrücken,
G - die spätere Große Palanka, die sich aber später auf das Gebiet der heutigen Fabrikstadt entwickelt hat,  H - die spätere Kleine Palanka

Auf der schon erwähnten „Insel" ließ der König sein königliches Kastell errichten. Dieser Bau, an dem acht Jahre lang gearbeitet wurde, war laut Dr. Iliesiu einer der stärksten Wehrbauten des Mittelalters. Er soll an dem Ort gestanden haben, wo später das Hunyadi-Kastell errichtet wurde. Mihai Opris beschreibt das Kastell als einen viereckigen Hof, in dessen Mitte das Hauptgebäude stand, das auf der Nordseite mit einem Donjon (Wohn- und Wehrturm) hatte. Karl Robert besichtigte in den Jahren 1313, 1314 und 1315 persönlich die Bauarbeiten, die von italienischen Baumeistern ausgeführt 1316 zog er schließlich hier selbst ein, und verlegte die Hauptstadt Ungarns nach Temeschburg. Temescher Comes war in jenem Jahr laut Dr. Iliesiu (nach J. N. Preyer) der adlige Walache Nicolae Teutul.

Als ungarische Hauptstadt erlebte die Temeschburger Festung ihre Blütezeit. Dies verschlang aber eine riesige Summe von Geld, zu deren Beschaffung der König laut Dr. Iliesiu auch die Kassen der Kapitularvikare leerte und sogar von der orthodoxen Kirche Steuern kassieren ließ.

Es herrschten aber in Temeschburg nicht nur Prunk und Luxus, sondern auch ein unmoralisches Leben, das besonders der König in vollen Zügen genoß. Während die Königin Maria, Prinzessin von Teschen todkrank im Bett lag, brachte er seine Liebhaberin Elisabeth Csáki aufs Schloß. Darüber war nicht nur der Adel empört, sondern die Kirche drohte ihm auch mit der Exkommunikation. Um diesen Skandal zu beenden, ließ der Papst Elisabeth Csáki mit Jakus, dem Preßburger Comes, verheiraten. Die Königin starb auf dem Schloß am 15. Dezember 1317 und wurde in Karlsburg (heute: Alba Iulia) bestattet. Die zweite Frau des Königs, die 14-jährige Beatrice, starb 1319 ebenfalls in Temeschburg und wurde in Großwardein (heute: Oradea) bestattet. Man begründete die Todesfälle im königlichen Haus mit dem banater Klima. Seine dritte Frau Elisabeth, die Tochter des polnischen Königs Wladislaw, heiratete Karl Robert 1321 in Ofen (Buda) und brachte sie nach Temeschburg, wo sie ihre ersten Ehejahre verbrachten. Hier kam bald der Thronfolger auf die Welt, aber auch er verstarb im Alter von einem Jahr.

Karl Robert berief in dieser Zeit deutsche Ansiedler, um in der Umgebung Städte zu gründen. Laut Karl Kraushaar sollen zu jener Zeit dreihundert Orte mit katholischen Pfarreien entstanden sein, was aber Dr. Iliesiu aus seiner Sicht sehr bedauerte. Dr. Iliesiu stellte auch die Stiftung einer Minoritenkirche seitens des Königs in Frage. Er behauptet, daß die spätere Vermutung, daß der einjährige Thronfolger in dieser Kirche bestattet wurde, nur ein falscher Beweis sei, der die Existenz einer ungarischen Bevölkerung belegen sollte. Kraushaar schreibt aber, daß Karl Robert daselbst 1325 ein Minoritenkloster mit einer Kirche gestiftet hat. Aber auch Opris glaubt, daß es die Kirche in der Temeschburger Festung zu jener Zeit gegeben hat. Er behauptet sogar, daß es dokumentarisch belegt sei, daß eine Sankt-Georgs-Kirche und das Minoriten- und Dominikanerkloster 1323 errichtet worden seien. Die Behauptung Dr. Iliesius, daß es keine Beweise für für eine Minoritenkirche oder ein -kloster gibt, wird von diesen zwei angesehenen Autoren widerlegt.

Aber Dr. Iliesiu behauptete 1943 auch, daß es in „unserer rein rumänischen Gegend" damals auch keine katholische Pfarreien gegeben habe, die Kraushaar (wie oben) auf dreihundert beziffert, sondern nur katholische Pfarrer, die „die Rumänen [eigentlich Walachen] zum Katholizismus konvertieren sollten". Karl Roberts Ansiedlungen von Deutschen werden auch Opris vermutet. Auf der von ihm erwähnten „Insel", die später „Kleine Palanka" genannt wurde, soll „das Straßennetz relativ geordnet" gewesen sein, was zur Hypothese führt, daß diese das Ergebnis einer Kolonisation sein könnten.

Bemerkenswert ist, daß während der ganzen Zeit, in der die Hauptstadt Ungarns Temeschburg war, die zivile Siedlung als „Dorf" bezeichnet wurde; als „civitas" wird sie erst seit 1342 in den Urkunden geführt. Aber noch 1325 zog König Karl Robert nach Visegrád und erklärte diese Stadt zur neuen Hauptstadt Ungarns. Aber nach kurzer Zeit kehrte er nach Ofen (Buda) zurück, und mit ihm kehrte auch die Hauptstadt wieder heim.

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Die Temeschburger Festung bis zum Ende der Anjou-Dynastie (4)

Nachdem König Karl Robert aus Temeschburg auszog, verlor die Festung viel von ihrer Bedeutung, und man ließ die Mauern verfallen. Nach der Entdeckung des Schießpulvers konnten die Wälle, die aus mit Erde gefüllten Rutenflechtungen bestanden, keinen Widerstand mehr leisten. Das Verteidigungssystem mußte schnellstens dem neuen Stand der Kriegstechnik angepaßt werden. Beim Bau der Mauern setzte man statt des Holzgeflechts starke Eichenstämme ein, man errichtete Palisaden, die von zwei bis drei Wassergräben umgeben wurden. Die Mauern wurden mit Schießöffnungen versehen und die Wehrtürme mit Kanonen ausgerüstet, Bis die Temeschburger Festung nach diesem System befestigt werden sollte, mußte es zur Türkengefahr kommen.

Nach seinem Umzug besuchte Karl Robert Temeschburg nur noch zweimal: 1330 und 1332. Das erste Mal zog er über Temeschburg gegen den walachischen Wojewoden Basarab, „damit er den Bären beim Bart packt und ihn aus seiner Hölle holt". Doch, wie bekannt, schlug ihn Basarab so stark, daß er nur mit einigen Begleitern wieder in Temeschburg ankam. Zum zweiten und zugleich zum letzten Mal besuchte Karl Robert Temeschburg am 27. Dezember 1332.

Inzwischen verfielen laut Mihai Opris die Festungsmauern so sehr, daß die Verteidigungsaufgabe vom Burgkastell übernommen werden mußte. Für das Banat, also auch für Temeschburg folgte eine Zeit der Not. 1338 zogen Heuschrecken in dichten Massen übers Land und vernichteten alle Pflanzen, so daß im nächsten Jahr eine Hungersnot ausbrach. Danach folgte ein Erdbeben und 1340 die asiatische Pest, der sehr viele Menschen zum Opfer fielen. 1342 verstarb Karl Robert, und sein königliches Kastell ging in den Besitz der ungarischen Krone über. Seit dieser ist Temeschburg in den Urkunden schon als „Oppidum Themesvar" bezeichnet. Der Marktflecken entfaltete sich allmählich nördlich von der Festung.

Der nächste König, Ludwig I. der Große, besuchte Temeschburg auch nur zweimal. Das erste Mal zog er am 14. Oktober 1358 gegen den serbischen Herrscher Urosch, und das zweite Mal führte er im Oktober und November des Jahres 1368 sein Heer über der Festung gegen den walachischen Wojewoden Vlaicu. Urkunden berichten, daß in jenem Jahr als Temescher Comes Benedikt Heem verzeichnet war. Heem war aber laut Dr. Iliesiu (nach J. N. Preyer) auch schon zwei Jahre vorher, nämlich 1366 Temescher Comes gewesen. Für die Zeit zuvor verzeichnet derselbe Autor für das Jahr 1333 Nikolaus Pap und Sigismund Andrásy als Temescher Comes. Dazwischen sollten Dionisie Bebec (1366) und Ladislaus Korogh (1367) in dieser Funktion gewesen sein. 1370 hatte dann Wladislaw das Amt des Grafen (Comes) inne, gefolgt 1371 zum dritten Mal von Benedikt Heem.

Dr. Iliesiu berichtet aber auch über eine am 14. Oktober 1358 in Temeschburg von König Ludwig I. erlassene Urkunde, in der dieser verordnet, daß alle Leibeigenen und Fremden aus „Chuturtukhel" der Familie Heym gehorchen sollen. Unter seiner Herrschaft soll nach Kraushaar 1371 zum ersten Mal eine Komitatsverfassung eingeführt worden sein.

Nach dem Tode Ludwigs des Großen, der am 11. September 1382 eintrat, besuchte 1385 seine Witwe, die Königin Elisabeth mit ihrer Tochter Maria Temeschburg, sie wohnten eine längere Zeit im Kastell der Festung.

Francesco Griselini bezeichnet im Gegensatz zu den anderen Autoren Maria, die Tochter Ludwigs des Großen, als Nachfolgerin auf dem ungarischen Thron. In der Zeit ihrer Herrschaft sollen in Ungarn wieder große Unruhen ausgebrochen sein. Die ungarischen Adligen unter der Anführung Johann Horváths entzogen Maria den Thron und beriefen auf diesen Karl II. von Sizilien. Die Königin wurde gefangengenommen und in das Kastell Novigrad in Dalmatien gesperrt. Von hier befreite sie laut Griselini ihr Gatte Sigismund von Luxemburg, König von Böhmen, der dann selbst 1387 auch den ungarischen Thron bestieg. Nach dieser Niederlage weilte Johann Horváth mit seinen Anhängern noch eine Zeit lang im Temescher Komitat, bis sie dann endlich vertrieben wurden.

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Die Temeschburger Festung unter dem Hause Luxemburg (5)

Am 31. März 1387 wurde Sigismund von Luxemburg zum König Ungarns geweiht. Gleich danach ernannte er Stefan Losonczy (auch Lossontzy, Losoncius) zum Temescher Comes, vertrieb den Rebellenführer Johann Horváth aus Syrmien und verfolgte ihn, bis dieser schließlich in Fünfkirchen (Pécs) hingerichtet wurde.

1389 besuchte König Sigismund mit seiner Gattin Maria die Temeschburger Festung und weilte hier zwei Jahre lang. Von Temeschburg aus zog er dann gegen den serbischen Herrscher Stefan. 1392 fielen die Türken in Syrmien ein; dies war der erste Einfall der Osmanen in Ungarn. Von da an diente Temeschburg als „Kommandozentrum" des Königs im Kampfe gegen die Türken. 1396 fielen die Türken auch schon im Banat ein, und laut Kraushaar konnte nur die Temeschburger Besatzung ihre Plünderungen aufhalten. Aus diesem Grund hielt sich Sigismund 1396, 1397, 1409, 1426 und 1428 in der Temeschburger Festung auf. So ist es auch zu erklären, warum mehrere von Dr. Iliesiu erwähnten Urkunden vom König in Temeschburg erlassen wurden. Meistens ging es darin um Rechtsurteile in Sachen Liegenschaften.

Nach der Schlacht von Nikopolis (Bulgarien), in der der König von Böhmen und Ungarn fast sein Leben lassen mußte, drangen die Türken bis in die Nähe von Temeschburg vor und vernichteten alles, was sie trafen und verschleppten dabei auch Menschen. Als Sigismund von seiner Flucht aus Konstantinopel über Dalmatien nach Temeschburg kam, berief er hier laut Dr. Iliesiu am 24. September 1397 (nach Kraushaar am 25. Oktober) den Reichstag ein. Hier wurde der gesamte Adel des Landes verpflichtet, in Notfällen unter der Heerführung des Königs gegen den einfallenden Feind zu kämpfen. Er wurde auch dazu verpflichtet, nach 20 Leibeigenen je einen ausgerüsteten Soldaten dem Heer des Königs zur Verfügung zu stellen. Aber auch die Kirche mußte die Hälfte ihres Einkommens für die Kriegskasse abgeben. Weitere Gelder für die Verteidigung des Banats verlangte der König auch vom Reichstag. Die Adligen erkannten die neue Gefahr aus dem Orient nicht und verweigerten ihren Beitrag. Dafür zwangen sie den König, bis Weihnachten alle Fremde aus seiner Nähe zu entlassen. Laut Dr. Iliesiu berief der König 1399 erneut den Reichstag nach Temeschburg ein, um Unstimmigkeiten mit dem Adel aus dem Weg zu räumen. Sigismund wählte diese Festung aus, um im Notfall von hier aus schnell gegen die Türken ziehen zu können.

Die Türkengefahr, der in erster Reihe Temeschburg ausgesetzt war, konnte noch für eine Zeit beseitigt werden, da die Mongolen unter Timur Lenk gegen die Türken zogen. Die Türken erlitten damals eine bittere Niederlage, der Sultan Bajasid wurde gefangen genommen und in einem Käfig nach Kleinasien verschleppt. Nach dem Tode Bajasids herrschte eine Zeit wieder Frieden in dieser Region.

Aus dieser Zeit verzeichnet Dr. Iliesiu (nach J. N. Preyer) einige Namen von Temescher Comes, wie Ladislaus Sarow (1392) oder Nikolaus Csáky und Nikolaus Marcyaly (1396-1402). Für das Jahr 1402 ist der Rumäne Nikolaus Gara in diesem Amt erwähnt worden. Derselbe Autor gibt für die Jahre 1407-1424 als Temescher Comes einen „Pipo oder Phillip de Ozora" an. Griselini schreibt von einem Filip de Ozora, der 1414 in diesem Amt gewesen sei. Für Klarheit sogt dann doch Franz Liebhard, der den italienischen „Condottiere (Führer) Filipo Scolari, Obergespan (föispán) von Temeswar" mit Pipo Spano gleichstellt. Daraus könnte man die Schlußfolgerung ziehen, daß Filipo Scolari und Pipo Spano ein und dieselbe Person waren, und zwar die von Dr. Theodor N. Trâpcea als den Severiner Banus erwähnten Pippo Spano di Ozora. Laut Liebhard ließ Pippo Spano zahlreiche italienische Künstler und Baumeister nach Temeschburg kommen, die dem Comes eine Residenz in italienischem Stil errichteten. Unter ihnen sollen auch der Maler Mazolino und der Architekt Amantini gewesen sein. Leider verschwanden im Laufe der Zeit alle Merkmale jener Tage.

Während dieser Zeit, 1418, fiel der türkische Beg von Bosnien Ikah oder Ishak wieder ins Temescher Gebiet ein. Sein Heer wurde aber vom Temescher Vizegespan Nikolaus Péterfy verjagt und er selbst umgebracht. 1419 vertrieb König Sigismund die Türken sogar aus Serbien und Bulgarien. Während der König dann aber in Böhmen gegen die Hussiten kämpfte, verwüsteten die Türken wieder mehrmals das Banat.

In den Jahren 1424-1439 wurden als Temescher Comes Stefan Rozgony und Stefan Bathos verzeichnet. In diesem Zeitspanne hielt sich Sigismund 1428 wieder längere Zeit in Temeschburg auf, nachdem er vor den Toren der Golubatscher Burg eine große Niederlage erlitten hat. Laut Kraushaar verbesserte der König 1432 die ungarische Kriegsverfassung durch ein Militärregest (Befehlssammlung), wonach die Komitate des Banats folgende Zahl von Reitern stellen mußten: Temesch 200, Tschanad 300, Kubin (Keve), Karasch (Krassó) und Torontal je 100. Bis zu seinem Tod 1437, wurden keine Besuche Sigismunds mehr in Temeschburg vermerkt.

Sigismunds Nachfolger, König Albrecht, regierte nur eine kurze Zeit von 1437 bis 1439. Als er im September 1439 an die Donau zog, um Semendria von den Türken zurückzuerobern, brach in seinem Lager die Ruhr aus. Trotz Auflösung des Heeres erkrankte auch der König „auf dessen Haupte vereint die Kronen von Deutschland, Österreich, Böhmen und Ungarn saßen", tödlich.

Über den Wehrbau Temeschburg aus dieser Zeit berichtet nur Mihai Opris (nach Niedermaier und Bleyer), und das nur sehr spärlich. Das Kastell wurde von Pippo Spano di Ozora repariert. Die „Stadt", die eigentlich noch die Bezeichnung „oppidum" (Marktflecken) trug, war in jener Zeit von Erdwällen und Palisaden umgeben. Sie hatte damals vier Tore: das Lippaer Tor („Praiko"), das Siebenbürger Tor, das Arader Tor und das Wasserturm-Tor. Alle Häuser des Marktfleckens waren aus Holz oder aus mit Spreu gemischtem Ton errichtet. Damals begann man auch mit dem Ausbau der beiden Vororten: die Kleine und die Große Palanka. Diese waren von Palisaden umgeben.

Ab 1441 wird Temeschburg und später auch ganz Ungarn mit dem Stamm der Corvins engstens verbunden sein. Sowohl Temeschburg als auch Ungarn wird unter den Corvins eine neue Blütezeit erleben.

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Die Temeschburger Festung unter den Corvins (6)

Die Türkengefahr bedrohte immer mehr auf dem christlichen Europa, und darum mußte König Wladislaw I., der Nachfolger Albrechts II. und Bruder des polnischen Königs Kasimir II., seine Sorgfalt dem Temescher Gebiet zuwenden. 1441 ernannte er Johann Hunyadi (Corvinus), eigentlich Iancu de Hunedoara, zum Temescher Comes und Kapitän von Belgrad (laut Dr. Iliesiu zugleich Severiner Banus). Er folgte im Amt des Temescher Grafen Nikolaus Ujlaky.

Laut Antal Pór soll Johann Hunyadi das uneheliche Kind einer siebenbürgischen Walachin gewesen sein. Sein Vater soll König Sigismund selbst gewesen sein. Der Name Corvin (Corvinus) stammt nach Pórs Angaben aus folgendem Geschehnis: Sigismund gab der schönen Walachin einen Goldring als Erkennungszeichen. Sie heiratete aber einen anderen Mann, und gleich nach der Hochzeit kam Iancu zur Welt. Als eines Tages die Mutter und das Kind im Freien saßen, kam ein Rabe geflogen und stahl ihr den Ring. Ihr Gatte erschoß daraufhin den Raben und gab dem Kind den Ring zurück. Der Knabe wuchs, und als er eines Tages den Ring König Sigismund überreichte, beschenkte ihn dieser mit mehreren Burgen und Dörfern. Der Rabe fand so seinen Platz auf dem Familienwappen, und Iancu erhielt den Nachnamen Corvin. Den Namen Hunyadi oder Hunedoara erhielt er von der Burg mit demselben Namen, in deren Besitz er war.

1443 zog Hunyadi gegen die Türken, und in den Bergen des Balkans schlug er sie bis nach Sofia zurück. Am 5. Juni 1443 wurde Temeschburg von einem verheerenden Erdbeben heimgesucht. Sowohl das Kastell als auch die Mauern der Festung wurden durch die Erdstöße stark beschädigt und teilweise sogar zerstört. Nach der Rückkehr Hunyadis von seinem Feldzug gegen die Türken ließ er das Kastell und die Festungsmauern wiedererrichten. Bei dieser Gelegenheit paßte er die Wehrbauten der von der Erfindung des Schießpulvers veränderten Kriegstechnik an. Die alten Wurfmaschinen wurden durch Kanonen ersetzt.

Franz Liebhard behauptet, daß das vom Erbeben stark beschädigte Anjou-Kastell abgetragen und das neue Hunyadi-Kastell quer zu dem Grundriß des Karl-Robert-Kastells aufgestellt wurde. Er äußert auch die Vermutung, daß die Grundmauern des letzteren vor dem heutigen Banater Museum in 5 bis 6 Meter Tiefe noch vorhanden wären. Laut Dr. Nicolae Iliesiu und István Berkeszi ist das neue Kastell, das an der Stelle der des Karl-Robert-Kastells erbaut wurde, mit mehreren Basteien und Kanonen ausgerüstet worden. Es war auch mit drei Toren versehen, einem im Osten, einem im Westen und einem im Norden. Die Bauarbeiten am Kastell dauerten laut Mihai Opris von 1443 bis 1447 und wurden vom Architekten Paolo Santini da Duccio angeführt. Der so errichtete zweistöckige Bau diente Johann Hunyadi als Wohnung.
 

Das von Johann Hunyadi erbaute Kastell in der Zeit vor seiner Zerstörung 1849
1727 wurde es renoviert, nachdem es während der Belagerung 1716 beschädigt worden war.

Die neuen Festungsmauern wurden im Norden und Nord-Osten mit Wehrtürmen versehen. Davor hatte man doppelte Wassergräben ausgegraben. Im Süden und im Westen, wo die Festung an die Sümpfe der Kleinen Temesch stieß, hatte man Eichenpalisaden errichtet. Von der alten Anjou-Festung blieben nur die Grundsteine und der Wasserturm erhalten. Die Hunyadi-Festung hatte vier Tore: das Siebenbürger Tor, das Lippaer (Praiko-) Tor, das Arader Tor und das Wasserturm-Tor. Die neuen Festungsmauern schlossen auch die sogenannte „Stadt" (die aber noch keine war) ein, sie verliefen entlang der heutigen Marasesti-, Eugeniu-de-Savoya- und Bocsa-Straße, südöstlich entlang der späteren Siebenbürger Kaserne, und im Süden umkreisten sie das heutige Banater Museum (Hunyadi-Hastell). Mit Palisaden, Erdwällen und Wassergräben verstärkt waren laut Dr. Iliesiu auch die beiden Vororte: die Große Palanka auf dem Gebiet der heutigen Fabrikstadt und die Kleine Palanka an der Stelle, wo heute die Mechanik-Fakultät, besser als „alte Politehnica" bekannt, in der Elisabethstadt steht. Laut Liebhard wurde das für den Wehrbau benötigte Steinmaterial aus den Werschetzer Bergen gebracht, Sand und Kies schaffte man aus Lippa bei, und das nötige Holz kam aus den naheliegenden Wäldern. Als Arbeitskräfte dienten die auf das Gebiet der heutigen Fabrikstadt angesiedelten Walachen und Serben (Raizen).

Johann Hunyadi hatte das Amt des Temescher Comes bis 1446 inne. In der Zeit, als er Fürst von Siebenbürgen war, verlegte er seinen Sitz nach Klausenburg (heute: Cluj). Da König Wladislaw I. am 13. November 1444 bei Warna als Folge einer mit Hunyadi erlittenen Niederlage ums Leben kam, wurde der siebenbürgische Fürst zum Reichsverweser (vicarius generalis et gubernator) Ungarns ernannt, und zwar stellvertretend für den minderjährigen Sohn Albrechts II., Ladislaus Posthumus. Bei dieser Gelegenheit brachte er 1447 zu Mariens Himmelfahrt seine Frau Elisabeth Szilágyi und seine Söhne Ladislaus und Matthias von Klausenburg wieder nach Temeschburg zurück. 1448 erlitt Hunyadi auf dem Amselfeld gegen die Türken erneut eine Niederlage, dabei wurde er in Semendria (heute: Smederevo) vom serbischen Herrscher Georg Brankovic gefangengenommen und dem Sultan Murad II. ausgeliefert.

Da infolgedessen die ungarischen Adligen Brankovic mit dem Krieg drohten, befreite dieser Hunyadi unter der Bedingung, daß Sohn Matthias die Tochter Ulrichs von Czilley eheliche, und daß Sohn Ladislaus als Geisel überlassen würde. Hunyadi willigte ein und kam so am 24. Januar 1449 in Temeschburg an. Francesco Griselini widerspricht diese von Dr. Iliesiu geschilderte Befreiung Hunyadis und behauptet seinerseits, daß dieser bei seiner Gefangennahme von den Türken nicht erkannt wurde, einem seiner Wächter den Dolch entriß, mit dem er diesen tötete und dann mit türkischer Kleidung floh.

Hunyadi hatte seinen Sitz bis 1453 in Temeschburg, als er sein Amt als Reichsverweser niederlegte und Ladislaus V. Posthumus den Thron Ungarns bestieg. 1455 versteigerte Ladislaus V. die königliche Festung (Burg) Temeschburg an Johann Hunyadi, dem er am 8. August 1455 auch die Besitzurkunde übergab. Dr. Iliesiu erwähnt eine weitere Urkunde vom 7. April 1456, in der bestätigt wird, daß der König die Temeschburger Festung für 20.000 fl an „Ioannis Corvin de Hunyad" übergeben hatte. Von da an blieb sie im Besitz der Corvins bis 1490. Hunyadi blieb aber auch weiterhin der wichtigste Militärstratege Ungarns, was ihm den Neid vieler Adliger einbrachte. Ulrich von Czilley, der einen großen Einfluß auf den unerfahrenen König ausübte, wurde sein größter Gegner. Aus diesem Grund verließ Hunyadi den Königshof und kehrte zu seiner Familie nach Temeschburg zurück.

Johann Hunyadi war laut Berkeszi am 22. Juni 1456 zum letzten Mal in Temeschburg. An diesem Tag zog er von hier gegen die Türken, die mit etwa 200.000 Kriegern Bulgarien und Serbien überfallen hatten. Laut Karl Kraushaar erschien Sultan Mohamed II. am 13. Juni 1456 mit 150.000 Mann und 300 Kanonen vor Belgrad. Nach vielen Anfangsschwierigkeiten besiegten die Christen die Osmanen. Diese Schlacht wurde zum größtem Triumph für Hunyadi, sie war aber auch zugleich sein letzter Feldzug. In Semlin ergriff ihn die Lagerseuche, an der er am 11. August 1456 starb.

Laut Johann Nepomuk Preyer bekleideten 1456 Ladislaus Hunyadi und Michael Szilágyi das Amt des Temescher Comes. Nach dem Tode Johann Hunyadis, brach zwischen der Hunyadi-Familie und Czilley ein heftiger Streit aus, in dem auch der König auf Seite Czilleys hereingezogen wurde. Bei einem Besuch des Königs Ladislaus V. in Belgrad erfuhr Ladislaus Hunyadi, daß er durch die Intrigen Czilleys bei dieser Gelegenheit umgebracht werden sollte. Aus diesem Grund tötete er Czilley und stellte sich danach dem König. Ladislaus V. verzieh ihm den Tod seines Oheims nur zum Schein und besuchte auf dem Weg nach Ofen (Buda) die Hunyadis in Temeschburg. Johann Hunyadis Witwe, Elisabeth Szilágyi erwartete den König vor dem Tor des Kastells, wo sie vor ihm auf die Knie fiel und ihn um Verzeihung und Gnade für ihre Söhne anflehte. Am 23. Oktober 1456 schwor der König in der Temeschburger Schloßkapelle während der heiligen Messe beim Evangelium, daß er den Hunyadis verziehen habe und daß er den Tod Czilleys nicht rächen würde. Im Anschluß daran empfing er mit Elisabeth und ihren beiden Söhnen die heilige Kommunion. Danach begab sich der König, begleitet von den beiden Hunyadi-Söhnen nach Ofen, wo er sie auf Anraten des Palatins Nikolaus Gara gefangennehmen ließ. Ladislaus Hunyadi wurde am 16. März 1457 ohne Anhörung seiner Verteidigung zum Tode verurteilt und in Ofen auf dem Georgsplatz enthauptet. Matthias Hunyadi wurde in Ofen, Wien und schließlich Prag in Gefangenschaft gehalten. Das brachte Ungarn an den Rand des Bürgerkrieges, der aber durch den Tod Ladislaus' V. Posthumus, der am 23. November 1457 in Prag eintrat, vereitelt wurde.

Aus Temeschburg ging dann die Bewegung aus, deren Ziel es war, Matthias Hunyadi die ungarische Krone zu sichern. Der Partei der Hunydis schloß sich auch die Familie Szent-Miklosy an, und so gelang es Michael Szilágy, daß sein Neffe Matthias am 24. Januar 1458 zum König Ungarns ausgerufen wurde. Erst jetzt wurde er aus seiner Prager Gefangenschaft freigelassen, die ungarische Krone erhielt er aber erst Ende Juli 1463 von Kaiser Friedrich. Im November 1458 besuchte er nun als König Temeschburg und verweilte einige Tage im Kastell, in dem er seine Kindheit verbrachte.

1462 verwüstete der Pascha Alibeg von Semendria die benachbarten Gegenden. Als aber Matthias in den Besitz der Königskrone kam, zog er noch im Juli 1463 mit seinem in Futak stationierten Heer gegen die Türken, die eben Syrmien plünderten. Er befreite 17.000 Gefangene und verfolgte die Eindringlinge durch Serbien. Laut Dr. Iliesiu und Griselini soll aber Alibeg damals bis vor die Mauern der Temeschburger Festung vorgedrungen sein. Nach diesen Autoren hatte der siebenbürgische Fürst Johann Pongrácz mit seinem szekler Heer die Türken von hier bis Semendria vertrieben.

Die Siedlung, die nördlich von der Temeschburger Festung entstanden war, trug von 1342 bis zu dieser Zeit die Bezeichnung "oppidum", also Marktflecken. Laut Franz Liebhard ist Temeschburg 1475 in einer Urkunde erstmals als "civitas" - also Stadtgemeinde - erwähnt worden, und die Stadt lag jetzt innerhalb der Festungsmauern.

1476 drangen die Türken unter der Führung Alibegs erneut bis Temeschburg vor, wo sie aber vom Heer des Temeschburger Comes Ambrosius Nagy wieder geschlagen wurden. Einer der Männer des Comes ist in dieser Schlacht als hervorragender Krieger besonders aufgefallen: Paul Kinizsy. Zwei Jahre später, 1478, hatte ihn der König zum Temescher Comes ernannt, er hatte dieses Amt bis 1494 inne. Als weitere Comes aus jener Zeit gab J. N. Preyer folgende Personen an: Gregor Labatlan (1459), Georg Orbonas und Stefan, der Sohn Pousas (1460), Stefan Socoli (1464)und der oben erwähnte Ambrosius Nagy (1476).

Paul Kinizsy, der Sohn eines Müllers, war laut Kraushaar von seinen Zeitgenossen als der ungarische Herkules bezeichnet worden. Mit seiner außerordentlichen Kraft „trieb er manchmal allein seines Vaters Mühle, hob ein volles Eimerfaß frei zu seinem Mund, hielt einen gerüsteten Streiter mit den Zähnen empor, nahm einen Mühlstein auf die Schulter und trug ihn fort, usw.". In den Schlachten gegen die Türken fochte er gewöhnlich mit zwei Schwertern und zeichnete sich dabei so aus, daß er zum Befehlshaber befördert wurde. König Matthias übertrug ihm bald auch das Amt des Severiner Banus. Als südlicher Grenzhüter Ungarns erlangte er auch den Titel des „Generalkapitäns".

Alibeg, der Pascha von Semendria, überfiel 1479 mit 40.000 Mann Siebenbürgen. Der siebenbürgische Fürst Stefan Báthory rief Kinizsy zu Hilfe, und es gelang beiden trotz ungleicher Streitmacht 30.000 Türken zu töten, der Rest der Angreifer flüchtete in Panik. Griselini schildert die darauffolgende makabre Siegesfeier. Die blutigen Leichen der Türken wurden zu Tischen aufgestapelt, auf denen man das Abendmal auftrug. Danach wurde gesungen und getanzt. Als Kinizsy an die Reihe kam, nahm er, zum Staunen seiner Soldaten, beim Tanz die Leiche eines starken Türken zwischen die Zähne.

König Matthias ließ Kinizsy auch weiterhin in allen seinen Ämtern, aber zugleich ernannte er ihn auch zum Oberbefehlshaber des ungarischen Heeres, das außerhalb des Temescher Komitates dienen sollte. So verließ Kinizsy im November 1482 Temeschburg mit 30.000 Mann, um bei Horom die Donau zu überqueren. Er schlug die Türken weit nach Serbien zurück. Während dieses Feldzugs errang Kinizsy auch den Sieg vor der Golubatscher Burg. Aus diesem Feldzug kehrte er auch mit 25.000 Serben, die sich vor den fürchteten, zurück und siedelte sie bei Temeschburg an.

Gewöhnt mit seinen ununterbrochenen Siegen auf dem Schlachtfeld, fühlte sich Kinizsy sehr betroffen, als König Matthias 1483 mit Bajasid II. einen Waffenstillstand schloß und ihn 1488 um weitere drei Jahre verlängert hatte. Während dieser Friedenszeit sorgte Kinizsy für die Verbesserung des Zustandes der Wehrbauten in dem Gebiet, das ihm unterstellt war.

Am 6. April 1490 verstarb nach einem schrecklichen zweitägigen Todeskampf einer der größten Könige Ungarns. Die Herrschaft der Corvins über Temeschburg ging zu Ende, aber für den Ruhm dieser Festung sorgte noch einige Jahre Paul Kinizsy, der von den Rumänen Pavel Chinezu genannt wurde.

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Temeschburg vor dem Bauernaufstand (7)

Nach dem Tode des Königs Matthias wollten die ungarischen Adligen durch die Wahl eines schwachen Königs ihre Macht stärken. Schließlich wurde Wladislaw II., der Sohn des polnischen Königs Kasimir IV., der Nachfolger Matthias'. Sein erstes Unternehmen galt der Vernichtung der „Schwarzen Legion". Das war eine von Matthias gegen innere Unruhen gegründete böhmische Miliz. Nach ihrer Verlegung nach Szegedin sorgte die Legion auch im Temescher Komitat durch Raub, Mord und Brandstiftungen für Unruhe. Paul Kinizsy bekam so den Auftrag, diese in das Heer zu integrieren oder sie einfach zu vernichten. Der Comes hatte sich für die zweite Variante entschieden.

Als Reaktion darauf bemerkte man bei den Türken Bewegung, und darum sorgte der König für die Befestigung der Temeschburger Festung. Dies geschah unter der Aufsicht Kinizsys, der dafür auch sein eigenes Geld verbrauchte. 1492 besuchte Wladislaw II. Temeschburg, um die Befestigungsarbeiten zu besichtigen und weilte hier über einen Monat. Er wurde von Kinizsy empfangen, der trotz seiner Stummheit (er hatte seine Stimme am Schlachtfeld verloren) dem König Treue geschworen hat. Der hohe Adel war seinen Heeresverpflichtungen nicht nachgekommen, obwohl die Türken Ungarn zu erdrücken drohten. Kinizsy, obgleich alt und schwach, wünschte sich noch immer, Türkenköpfe zu jagen. Am 28. Januar 1494 hatte ihn der König zum „Judex Curiae" ernannt. Als die Türken dann auch ins Banat einfielen, führte er sein Heer über die zugefrorene Donau und stürmte zwei Schlösser, in denen Ali Pascha seine Schätze hielt. Kinizsy konnte mit den Kostbarkeiten abziehen, aber sie nicht auch genießen. Es erreichte ihn die Nachricht, daß Verschwörer Belgrad dem Ali Pascha in die Hände spielen wollten. Als Kinizsy bei Belgrad ankam, begannen die Türken schon, die Wälle zu besteigen. Er schlug die Türken von den Mauern zurück und vertrieb sie.

Danach eilte er dem König, der sich in Siebenbürgen befand, entgegen. Wladislaw II. kam mit dem  siebenbürgischen Fürsten Bartholomäus Drágffy am 25. September 1494 in Temeschburg an und weilte hier bis zum 30. September. Bei dieser Gelegenheit warf sich Kinizsy vor die Füße des Königs, danach deutete er auf die türkische Grenze und voller Begeisterung ergriff der Alte „mit Jünglingskraft sein Schwert, als befände er sich schon inmitten der heißen Türkenschlacht" (Kraushaar). Mit 14.000 Mann durchstreifte und plünderte er mit Drágffy Serbien, und als er eben auch Semendria belagern wollte, überfiel ihn eine tödliche Krankheit. Er starb am 24. November 1494 in Sankt-Clemens. Sein Nachfolger als Temescher Comes, Generalkapitän und Severiner Banus wurde sein Waffenzögling Josef von Somy.

1495 besuchte Wladislaw II. erneut Temeschburg, wo er bei mehreren Gerichtsverhandlungen anwesend war. Im selben Jahr schloß er mit den Türken einen dreijährigen Waffenstillstand. Danach wurde wieder ein siebenjähriger Waffenstillstand mit Bajasid ausgehandelt. Temeschburg führte in dieser Friedenszeit einen bedeutenden Handel mit Siebenbürgen. 1502 nahm unter anderen auch der Temescher Comes von Somy an einem Feldzug gegen die Türken teil. Bei dieser Gelegenheit hatte man die neuen Waffen, die im Temescher Komitat von Zigeunern hergestellt wurden, ausprobiert. Bald aber setzte sich eine Plage ein, die die Bevölkerung schlimm traf; drei volle Jahre, von 1509 bis 1511 wütete im Temescher Gebiet die Pest. Ihr Opfer wurde im ersten Jahr auch der Temescher Comes Josef von Somy. Sein Nachfolger im Amt war Matthias Várday, der aber schon 1911 von Stefan Báthory abgelöst wurde. Unter dessen Amtszeit fand auch der berüchtigte Bauernaufstand Dózsas statt.

Im Jahre 1513 schloß Wladislaw II. mit Sultan Selim I. einen neuen auf drei Jahre befristeten Waffenstillstand. Er sollte aber nicht so lange dauern, weil die Türken ihn immer wieder verletzten und in Ungarn einfielen. Der Graner (Esztergom-er) Kardinal Thomas Bakocz von Erdöd forderte daraufhin die Bestrafung der Türken wegen Friedensbruchs. Er gewann den König für seine Pläne und ging 1513 nach Rom, um von Papst Leo X. finanzielle Hilfe zu verlangen. Anfang des Jahres 1514 kam er aus dem Vatikan mit einer Kreuzbulle in Ofen an. Die Bulle wurde vom Reichstag angenommen und in allen Kirchen vorgelesen. Alle Stände Ungarns wurden aufgerufen, an diesem Kreuzzug teilzunehmen. Die Bauern waren in jener Zeit der Willkür des Adels preisgegeben. König Matthias schützte seinerzeit den Bauernstand, hatte aber dessen Rechte für die Zukunft nicht gesichert. So waren jetzt die Bauern ungeheuerlichen Ungerechtigkeiten, dem Mißmut, Groll und vielen Mißbräuchen ausgesetzt, die nur sehr schwer zu ertragen waren.

In dieser Lage nahmen die Bauern den Aufruf zum Kreuzzug als eine Aufforderung zu ihrer Befreiung auf. In kurzer Zeit versammelten sich unter Pest 40.000 und in anderen bischöflichen Städten 30.000 Kreuzfahrer. In Ungarns Geschichte traten sie als „Kuruczen" (vom Wort „crux") ein. Zu ihrem Anführer ernannte Kardinal Bakocz den Szekler Georg Dózsa, auch Székelyi genannt.

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Georgius Siculus (Székelyi) in Temeschburg (8)

Georg Dózsa war als Reiterhauptmann bei Belgrad durch Körperstärke und Verwegenheit aufgefallen. Im Zweikampf hatte er einem Türken die gepanzerte Hand abgeschlagen und diesen dann getötet. Für diese Waffentat wurde er vom König „mit doppeltem Sold, einer goldenen Kette, einem golddurchwirkten Purpurkleid, Sporen, Ehrensäbel und einem Landgut mit mit vierzig Bauernhöfen im Temescher Komitate belohnt". Dazu wurde ihm auch ein adeliges Wappen mit einer blutigen Hand im Schilde verliehen. Ansonsten beschrieb ihn Franz Liebhard als einen leidenschaftsbewegten Reitersmann, der nicht immer den besten Ruf hatte. Man schrieb ihm besonders Gewalttaten zu. Unter anderem hatte er in Mediasch mehrere sächsische Kaufleute niedergeschlagen und geplündert. Laut einer Familienüberlieferung soll er auch einen sächsischen Königsrichter mit der Peitsche gezüchtigt haben.

Als die Großgrundbesitzer ihre wegen des Kreuzzugs leeren Höfe sahen, begannen sie die zurückgebliebenen Angehörigen der abgegangenen Bauern einer quälenden Behandlung zu unterwerfen. Als diese Nachricht Dózsas Lager erreichte, zog er die weiße Kleidung mit dem roten Stern an, nahm die geheiligte Fahne in die Hand und den Säbel in die andere. Von da an gab es für die Adligen kein Erbarmen mehr. Der „tapfere Ritter, Fürst und oberster Hauptmann des geweihten Kreuzheeres und nur des Königs von Ungarn, nicht der Herren Untertan", wie er sich nannte, erließ von Czegléd aus an sämtlichen Städte, Marktflecken und Dörfer Ungarns ein Manifest, worin er allen, die ihm nicht gehorchten , drohte. Er drohte aber dem Adel nicht nur mit Strafe, sondern er versprach ihm auch: „ ... wir werden ... an den Giebeln Eurer Haustore Euch aufhängen, Euch spießen lassen, wir werden Eure Güter verheeren und vergeuden, Eure Weiber und Kinder umbringen". Dies alles sollte auch wahrgemacht werden. Zügellose Horden überhäuften ihre Wege nur mit Blut und Jammergeschrei. Raubend und mordend zog Dózsa nach Szegedin, zwei weitere Banden plünderten Pest, bzw. zogen gegen Bács. Da die letzteren Rebellengruppen gleich geschlagen wurden, zog Dózsa schnell von Szegedin über die Theiß ins Banat.

1514 wurde laut Berkeszi die Temeschburger Festung zum erstenmal in ihrer Geschichte belagert. Es waren aber nicht die Türken, die es taten, sondern die 70.000 Aufständischen Georg Dózsas. Der genaue Tag, an dem es geschah, ist sehr umstritten. Istvánfy gibt den 15. Juni 1514 an, Feil den 18. und Szerény spricht sogar vom 10. August (!?). Dózsa schlug sein Lager südöstlich von Temeschburg auf, an dem Ort, der Ulitsch genannt war. Laut Liebhard besetzten die Aufständischen am 16. Juni die von Walachen und Serben bewohnte Große Palanka. Laut Berkeszi soll aber die Kleine Palanka besetzt worden sein. Von hier aus überquerte er die Kleine Temesch auf zusammengebundenen Fässern und wollte so die Festung von ihrer schwächsten Seite, von den Sümpfen aus, angreifen. Um die Sümpfe trockenzulegen, wollte Dózsa das Wasser der Kleinen Temesch in die Temesch leiten. Die Grabungen konnten ungestört durchgeführt werden, da wegen der geringen Entfernung die Geschosse der Festung nicht einsatzbar waren. Als die Festung aber ohne Wasser blieb, entschloß sich der Temescher Comes (der von Tschanad kommend sich noch in die belagerte Festung einschleichen konnte) einen Ausfall zu unternehmen und den errichteten Damm zu zerstören. Danach begann Dózsa , die Kleine Temesch in die Sümpfe abzuleiten.

Bald gingen in der belagerten Festung auch die Vorräte an Nahrungsmitteln aus. Die Stadtbevölkerung überlegte schon, die Festungstore zu öffnen. Dózsa rechnete auch mit einer baldigen Kapitulation, und darum verzögerte er einen Sturm auf die Festung. Man gab sich mit dem Anzünden der Palisaden, mit dem Austausch von Steingeschossen und mit den Schlägen der mauerbrechenden Widder zufrieden. In dieser verzweifelten Lage konnte Báthory nur noch sein Erzfeind, der siebenbürgische Fürst Johann Zápolya helfen. Als Gegenleistung versprach er, bei der nächsten Königswahl, seine Stimme für Zápolya abzugeben. Dieser war dann am 15. Juli 1514 in der Nähe Temeschburgs angelangt, doch konnte er Dózsa nicht überrumpeln, so daß es zu einer schweren Schlacht kam.

Dózsa stellte eine gut überlegte Schlachtordnung auf, aber der Fürst war auch ein guter Feldherr. Es wurde erbittert gekämpft. Zugleich fiel Dózsa der aus der Festung kommende Báthory in den Rücken. Trotz Mangels an Kriegserfahrungen hielten die Leibeigenen eine Zeitlang stand. Schließlich aber lösten sich die aufständischen Heerscharen allmählich durch Flucht auf. Dózsa versuchte die Fliehenden aufzuhalten, und zugleich griff er immer an den schwersten Stellen ein. Die Einzelheiten dieser Schlacht bleiben uns für immer unbekannt. Nach den meisten Quellen soll Dózsa seinen letzten Zweikampf mit dem Verwandten Zápolyas und dem späteren Temescher Comes Peter Petrovits geführt haben. Nach Kraushaar hatte dieser dem verzweifelt kämpfenden Dózsa das Schwert entrissen. Danach rang und verteidigte sich der Volksheld mit der Faust, bis ihm Petrovits vom Pferde riß und gefangen nahm. Laut Liebhard soll Petrovits Dózsa mit einer Lanze unterhalb des Harnisches in die Hüfte gestochen haben. Einer anderen von ihm zitierten Version zufolge soll die Lanze Dózsas Schenkel durchbohrt haben. Dabei soll sein Pferd verwundet worden sein, das daraufhin den Reiter aus dem Sattel warf. Über Dózsas Festnahme gibt es auch noch weitere Versionen, die aber weniger glaubwürdig erscheinen. Diese Niederlage von Temeschburg besiegelte das Ende des ganzen Bauernaufstandes. In allen Orten, wo noch gekämpft wurde, hatte man die Aufständischen besiegt.

Der letzte Akt dieses Dramas ist fürchterlich und schauderhaft über die Bühne gegangen. Dózsa wurde zuerst im ersten Stockwerk des Kastells eingesperrt, nach drei Tagen kam er in den unterirdischen Kerker. Um den 20.-24. Juli 1514 wurde laut Liebhard das Urteil auf dem „Richtplatz außerhalb der Festung vollstreckt". Mit Dózsa sollen hier nach Liebhard 20, nach Istvánfy aber nur 9 von 40 seiner Gefährten verurteilt worden sein. Gregor, Dózsas Bruder, wurde vor diesem auf der Stelle enthauptet und mit Äxten in drei Teile zerhackt. In der Anwesenheit Zápolyas setzte man Dózsa mit entblößtem Oberkörper auf einen glühenden Eisenstuhl. Auf das Haupt setzte man ihm eine Eisenkrone, und in die Hand mußte er ein Eisenzepter nehmen, die alle ebenfalls gluterhitzt waren. Die schrecklichen Qualen ertrug er bei vollem Bewußtsein und ohne Jammer. Seine Gefährten, die einige Tage ausgehungert wurden, mußten dann das verbrannte Menschenfleisch ihres Anführers essen. Während sie mit ihren Zähnen Dózsas Körper zerfetzten, ließ Zápolya zum „Festmal" Dudelsackbläser und Rohrpfeifer Tanzweisen aufspielen. Wer sich nicht fügte, wurde auf der Stelle getötet, den anderen versprach man die Freiheit. Einer von diesen, die gehen durften, war laut Liebhard der Schmied Lorenz, mit dem der Historiker Istvánfy fünfzig Jahre später ein Gespräch führte. Der Rumpf Dózsas wurde dann geviertelt und in Ofen, Stuhlweißenburg, Kalocsa und Großwardein zur Schau gestellt. Der Kopf wurde einem Szegediner Verwandten als „Geschenk" zugeschickt. Dieser hatte diesen dann wie ein Heiligtum eine lange Zeit verehrt.

Nun sind auch heute noch die Meinungen über Georg Dózsa geteilt, für die einen ist er ein Volksheld, der für ein menschliches Leben der Leibeigenen kämpfte, andere aber beschimpfen ihn wegen der Methoden, mit denen er sein Freiheitsideal verwirklichen wollte, als einen grausamen Tyrannen. Die Zahl der Gefallenen, Gehenkten oder auf andere Weise Ermordeten (darunter Frauen und Kinder) soll etwa 40.000 bis 80.000 betragen. Die Zahl der umgebrachten Adligen liegt bei 400. Nach Überlieferung soll sich der Ort, an dem diese grausamen Szenen stattgefunden haben, dort befinden, wo in der Elisabethstadt heute die Statue der Hl. Maria steht.

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Temeschburg im Schatten von Mohatsch (9)

Nach der Zerschlagung des Bauernaufstandes war der Bauernstand völlig der Willkür und Tyrannei des Adels preisgegeben. Den Bauern wurde das freie Zugrecht entzogen, , und die Leibeigenen gerieten in eine schwere Knechtschaft. Ihnen wurde sogar die Zugehörigkeit zur ungarischen Nation abgesprochen. So wurden für die Bauern Begriffe wie Heimat, Vaterland und Nation mit der Zeit Fremdwörter. In dieser Lage näherten sich die Türken immer mehr dem Abendland, an dessen Rand das stark geschwächte Ungarn stand.

Am 13. März 1516 verstarb der schwache König Wladislaw II. und an seine Stelle kam Ludwig II., der aber noch ein Knabe war. Zur gleichen Zeit bestieg den Thron der Osmanen Suleiman „der Prächtige und Große, der Erste, der Gesetzgeber, der Herr seines Jahrhunderts, der Vollender der Vollkommenen Zehnzahl". Er forderte von Ungarn den rückständigen Tribut und die Vereinbarung eines Waffenstillstandes. Da die Antwort des ungarischen Königs verzögert wurde, fiel der Sultan im Frühjahr 1521 in Ungarn ein. Während mehrere Heerhaufen in verschiedene Richtungen vordrangen, brach Mehmed Hyde mit 40.000 Mann in das Temescher Gebiet ein. Er traf hier statt auf Widerstand nur auf ein von Schrecken und Furcht ergriffenes Volk. Mehmed Hyde kam aber nur bis zur Petscher Burg (im Temescher Komitat), die er nicht einnehmen konnte und so wieder abzog. Scheinbar war das Ziel der Türken nur Belgrad zu erobern, was ihnen am 29. August 1521 nach 56-tägiger Belagerung auch gelang.

Am 29. August 1526 fand die Mohatscher (Mohács-er) Schlacht statt, in der der 20-jährige König Ludwig II., sieben Bischöfe, 500 Magnaten und 22.000 Mann gefallen sind. An der Schlacht nahm auch der damalige Temescher Comes Peter Perényi teil. Das Land diente von da an, wie Kraushaar schrieb, nur dazu, „um von den beute- und mordgierigen Türkenscharen ausgeplündert und ausgeraubt zu werden". So erreichten laut Griselini bald den Plattensee und Györ. Schuld an dieser schrecklichen Niederlage trug auch der Fürst Siebenbürgens Zápolya, der sein eingreifen in das Geschehen verzögerte. Noch vor dem 20. August stand er mit 40.000 Mann bei Temeschburg. Am 29., als die Schlacht stattfand, war er erst bei Szegedin. Nach der Mohatscher Niederlage kehrte er nach Temeschburg zurück und stellte sich in den Dienst der Türken mit der Absicht, auf den ungarischen Thron zu steigen.

Johann Zápolya ließ sich von seinen Anhängern und mit türkischer Unterstützung am 11. November 1526 in Karlsburg (heute: Alba Iulia) zum König Ungarns krönen. Einer seiner Anhänger, Peter Perényi, der einmal schon 1518 (nach Nikolaus Ujlaky) das Amt des Temescher Comes inne hatte, war nun erneut nach Laurentius Ujlaky (1519), Kaspar Raskay (1520), Nikolaus von Mazedonien (1523) und Johann Drágffy (1525) in diesem Amt. Als Gegenleistung für die Unterstützung Zápolyas sollte Perényi zum Fürsten Siebenbürgens gewählt werden. Zur gleichen Zeit rief die Witwe Ludwigs II. den Reichstag nach Komárom ein, und ließ ihren Bruder Ferdinand I. von Österreich auch zum ungarischen König wählen. Zugleich wurde die Wahl Zápolyas als nichtig erklärt. Der Temescher Comes Perényi schwankte zwischen den beiden. 1527 ist Ferdinand I. zum König Ungarns gekrönt worden, und zwar vom selben Erzbischof von Gran (Esztergom), Paul Várday, der schon zuvor Zápolya gekrönt hatte. Perényi trat nun endgültig in den Dienste Ferdinands und wurde bald zum Kanzler ernannt. Sein Nachfolger im Amt des Temescher Comes wurde für kurze Zeit Valentin Török. Um ihn auf seine Seite zu gewinnen, ernannte Zápolya noch 1527 Emmerich Czibak zum Temescher Comes. In dessen Amtszeit besuchte Zápolya im November 1533 Temeschburg. Laut Griselini ist Czibak 1534 in Siebenbürgen getötet worden. Sein Nachfolger soll Zápolyas Verwandter Peter Petrovits (eigentlich Vic) gewesen sein. Dr. Iliesiu gibt (nach J. N. Preyer) als Jahr des Amtsantritts Petrovits' 1538 an.

Der Streit zwischen Ferdinand I. und Zápolya dauerte elf Jahre lang und endete 1538 mit dem Großwardeiner Vertrag. Demnach sollte jeder der beiden seine königliche Macht in jenem Gebiet ausüben, das ihm 1538 unterstellt war. So war nun Zápolya König über Siebenbürgen und das Banat und Ferdinand I. über Restungarn. Es wurde aber festgelegt, daß diese Gebiete nach Zápolyas Tod Ferdinand I. (der seit 1531 „römischer König" war) zukommen sollten. 1540 starb Johann Zápolya in Mühlbach (heute: Sebes Alba), nachdem er von der Geburt seines Sohnes Johann Sigismund erfuhr. Seine Witwe Isabella, die sich auf der Schoimoscher Burg aufhielt, mißachtete aber den Großwardeiner Vertrag und ließ ihren Sohn in Absprache mit ihren Verbündeten, dem Kardinal Martinuzzi, dem Verweser Siebenbürgens und Petrovits, dem Temescher Comes (die beide Vormunde des Waisenkinds waren), bei seiner Taufe zum König Ungarns krönen. Der Tod Zápolyas ist noch lange Zeit verschwiegen worden. Erst nach mehreren Monaten wurde die Leiche vor der Bestattung in Ofen in der Kapelle des Temeschburger Hunyadi-Kastells aufgebahrt.

Als Ferdinand I. sein Recht mit mit Waffengewalt durchsetzen wollte, brach Sultan Suleiman unter dem Vorwand, den Waisen zu schützen, in Ungarn ein. Am 4. September 1541 erließ er eine Verordnung, wonach Siebenbürgen und das Banat als eine türkische Provinz (Sandschak) dem Sohn Zápolyas geschenkt wurden. Mit diesem Akt beginnt der Untergang des Banats, die Türken hatten von nun an die Einverleibung des Banats ins Osmanenreich vor Augen. Bald sollte ihnen der Anlaß dazu geliefert werden.

Kardinal Martinuzzi, der nun zwischen Ferdinand I. und den Türken wankte, drängte bald Isabella zur Erfüllung des Vertrags von 1538, nämlich zur Abgabe Siebenbürgens und des Banats an Ferdinand I. Dafür sollten Johann Sigismund, Isabella und sogar Petrovits einen Ausgleich erhalten. Kaum hatte der Sultan dies erfahren, ließ er sein Heer unter Mohamed Sokolli von Ungarn aus in das Banat einfallen. Dieser eroberte mehrere Burgen und Festungen (darunter waren Tschanad, Lippa, Schoimos u.a.), und im Oktober 1551 begann er die Belagerung Temeschburgs. Die Festung, die nun durch Ferdinand I. den Kaiserlichen gehörte, ist damals vom letzten Temescher Comes und Festungskommandanten Stefan Losonczy verteidigt worden. Dafür hatte er laut Dr. Iliesiu 2.020 Reiter und 1.550 Fußvolk zur Verfügung. Als die Türken ankamen, wurden die Bewohner der Großen Palanka in die Festung gebracht und der Vorort niedergebrannt. Zwischen den Trümmern versteckten sich Alfonso Perez mit 400 spanischen Reitern und Rodriguez Villandrando mit 300 Mann Fußvolk. Am 16. Oktober 1551 stürmten die Osmanen die Temeschburger Festung. Am nächsten Tag begann der Angriff vor dem Tor der Nordseite, von wo die Türken die Festung mit Kanonen beschossen. Losonczy folgte der Aufforderung der Türken zur Kapitulation nicht, trotz des starken Angriffs, der von allen Seiten vorgetragen wurde.. Als die „Insel" (die Kleine Palanka) als verloren galt, wurde (hatte man) auch von hier die Bevölkerung in die Festung gebracht, und General Aldana zündete die Häuser der Siedlung an, nachdem er mit seinen 100 Spanier die Waffen und die Lebensmittel in die Festung brachte. Schließlich vernichteten sie die Brücke, die die „Insel" mit der Festung verbunden hatte. Laut Berichten mehrerer Autoren sollen während der ganzen Zeit der Belagerung zwischen Losonczy und den anderen Offizieren, aber auch mit Ferdinand I. Zwistigkeiten gegeben haben, wobei der Comes sich weigerte, anderen Meinungen und übergeordneten Befehlen zu folgen.

Da die Lage bald kritisch wurde, rief man auch General Castaldo mit seinen spanischen und deutschen Söldnern zur Hilfe. Laut Dr. Iliesiu sollen nach Károly Czimer am 24. Oktober 1551 die Türken auf Flugblättern, die in walachischer Sprache verfaßt und auf Speeren befestigt waren, die Belagerten aufgefordert haben, sich zu ergeben. Dr. Iliesiu zieht daraus die Schußfolgerung, daß es unter den Verteidigern auch viele Walachen gegeben haben muß.

Schließlich gaben die Türken am 27. Oktober 1551 ganz überraschend die Belagerung auf und zogen sich zum Überwintern nach Belgrad zurück.

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Die Belagerung und der Fall Temeschburgs (10)

Durch die Niederlage von Mohatsch (Mohács) verlor Ungarn seine Rolle als militärische Macht, und das Land wurde sogar politisch aufgeteilt. Der südliche Teil des Landes befand sich unter osmanischer Herrschaft, während das von Ferdinand I. regierte westliche Restungarn von Österreich beansprucht wurde. Siebenbürgen und das Banat galten zwar als autonom, befanden sich aber ständig unter dem Einfluß der Türken, oder wie 1551, der Österreicher. Als aber die kaiserlichen Truppen unter General Castaldo nach Siebenbürgen eindrangen, reagierten die Osmanen mit Einfällen ins Banat.

Temeschburg galt vor der türkischen Belagerung als eine der stärksten Festungen. Angreifen konnte man sie nur aus den Norden und von Westen. Die anderen Seiten befanden sich im natürlichen Schutz der Sümpfe der Kleinen Temesch. Nach den Beschreibungen der damaligen Historiker bestand Temeschburg in jenen Zeit aus drei Teilen: der Burg (oder dem Kastell), der „Stadt" und der „Insel" (die Kleine Palanka). Außerhalb der Festungsmauern befand sich die Große Palanka. Zwischen dem Kastell und der „Stadt" befand sich der Wasserturm, der wichtigste Wehrbau de Festung. Durch diesen führte auch der Weg, der das Kastell mit der „Stadt" über eine Brücke verband. Das Hunyadi-Kastell war von festen Mauern und Wassergräben umgeben. Mit „Stadt" wird hier das Wohngebiet Temeschburgs bezeichnet, da dieses seit etwa 1475 vom Marktflecken zur Stadt erhoben wurde.

Nach dem Abzug der Türken vor Temeschburg im Oktober 1551 entflammten erneut die Zwistigkeiten mit dem Temescher Comes Losonczy. General Castaldo berichtete am 8. Januar 1552 Ferdinand I., daß Losonczy neben Temeschburg auch andere Burgen, wie Lugosch, Karansebesch und Lippa unter seinen Befehl stellen wolle. Zwölf Tage später ließ er Ferdinand I. wissen, daß Losonczy ein guter Festungskommandant wäre, aber kein guter Heeresführer auf dem Schlachtfeld. Dafür sei er zu intolerant, und er quäle nicht nur den Feind, sondern auch sein eigenes Heer. Als Folge dieser wiederholten Meldungen verlor Losonczy sein Amt. Zu den neuen Festungskommandanten wurden laut Dr. Iliesiu Benedikt Kosar und Franz Deli ernannt, die aber nach kurzer Zeit abtreten mußten, weil sie die Lebensmittellager der Festung plünderten. Im Februar 1552 wurde General Aldana zum Festungskommandanten ernannt. Dieser sollte mit 2.500 Gulden die Festungsmauern verstärken. Am 30. März ist wieder Losonczy zum Comes und zum Generalkapitän aller südbanater Burgen ernannt worden, aber seine Ämter konnte er erst Ende Mai wieder aufnehmen. Kaum war er wieder im Amt, da begannen die Zwistigkeiten von neuem. Diesmal beschwerte sich Losonczy, daß Aldana das erhaltene Geld veruntreut habe und die Festung statt 750 Reiter nur über 400 verfügte, und die hätten ihren Sold seit vier Monaten nicht erhalten.

Alle diese Kabalen fanden zum ungünstigsten Zeitpunkt statt. Trotz einiger Verstärkungen der Mauern, blieben viele wichtige Arbeiten unverrichtet, kurzfristig gelang es noch, vor der Kleinen Palanka zwei Wassergräben zu graben. Dazu kam der Festung auch aus den nahegelegenen Burgen Hilfe. Mit diesen verfügte Losonczy über 2.310 Mann (nach Berkeszi nur 2.210, aber nach Griselini sogar 2.500), die die Festung verteidigen sollten. Im Juni 1552 überschritten die Osmanen unter Achmed Pascha die Donau, und am 24. Juni stand ein Vorhut von 1.500 Reitern unter den Mauern Temeschburgs. Losonczy begab sich noch außerhalb der Festung, um Lebensmittel und militärische Hilfe anzuschaffen. Bei seiner Rückkehr konnte er aber nur noch auf Umwegen und im Schutze der Dunkelheit in die Festung gelangen.

Am 28. Juni kam Achmed Pascha mit seiner Hauptmacht an, und mit 16.000 Mann begann er gleich die Festung zu belagern. Sie umzingelten Temeschburg von allen Seiten und begannen anfangs die nördliche und östliche Tore, wie auch die nördliche Mauer mit schweren Kanonen zu beschießen. Trotz heldenhaften Widerstands mußten die Verteidiger die „Insel" verlassen und die Häuser anzünden. Nachdem die Türken die „Insel" besetzt hatten, beschossen sie auch von hier aus die Festung. Die Mauern wurden schwer beschädigt, und Losonczy verlangte von General Castaldo dringende Hilfe. Am 3. Juli gelang es den Osmanen, sich den Mauern zu nähern, und sie versuchten durch Schußlöcher in die Festung einzudringen. Die Verteidiger Temeschburgs schlugen nach schweren Kämpfen die Türken zurück, aber am 6. Juli versuchten diese wieder, die Mauern zu stürmen und zerstörten dabei die nördlichen Wehrbauten. Einem weiteren Hilferuf konnte General Aldana, der sich bei Lippa befand nicht folgen, was die Verteidiger stark entmutigte. Dazu begann auch das Wasser der Kleinen Temesch zu sinken, und die Sümpfe fingen an zu trocknen. Da ließ Achmed Pascha Bretter legen, und den Türken gelang es auf diese Weise, die Mauern zu erreichen. Am 12. Juli eroberten sie auch die nördlichen Erdwälle. Als dann eine kleine Insel in ihre Gewalt kam, konnten sie sich auch dem Wasserturm nähern.

Bald ging aber den Türken wegen der ständigen Beschießung das Schießpulver aus, und Achmed Pascha wollte schon die Belagerung aufgeben. Da kam überraschend am 19. Juli ein Transport mit Schießpulver an, und die Schießerei fing wieder von vorne an. Die Belagerten warteten aber umsonst auf Hilfe. Eine Verstärkung von 500 Mann, die aus Arad kam, wurde noch vor Temeschburg von den Belagerern aufgehalten. Am 24. Juli erstürmten die Osmanen laut Kraushaar fünf Stunden lang die Festung, was 3.000 Türken das Leben kostete. Aber auch in den Reihen der Belagerten beklagte man immer mehr Tote. Bald wurde nach heftigen Kämpfen auch das am besten befestigte Bollwerk, der Wasserturm, von den Türken eingenommen, was das Los Temeschburgs besiegelte. Losonczy war nun gezwungen, sich mit seinen Leuten in das Kastell zurückzuziehen.

Laut Kraushaar forderte Achmed Pascha am 27. Juli Losonczy auf, sich mit seinen Leuten zu ergeben und gewährte ihnen dafür freien Abzug. Losonczy lehnte dies ab, aber seine Leute hielten es für sinnlos, sich in dieser verlorenen Schlacht aufzuopfern. Schließlich verließen die Kranken und Verwundeten, gefolgt von Stefan Losonczy mit seinen Ungarn und Spaniern (laut Kraushaar) am 30. Juli 1552 die Temeschburger Festung durch das Lippaer Tor. Dr. Iliesiu und Berkeszi datierten den Abzug auf den 27. Juli. Über den weiteren Verlauf der Geschehnisse sind sich die Autoren nicht einig. Dr. Iliesiu schreibt von einem Großangriff auf die abziehende Besatzung nach einem Kanonensignal. Kraushaar, Berkeszi und Griselini berichten aber von einer Provokation, die Achmed Pascha erlauben sollte, sein unter Eid gegebenes Versprechen zu brechen. Die Türken sollten anfangs ungarische Jünglinge, darunter Losonczys Schützling Tomory, aus der Kolonne gerissen haben. Als Losonczy dies sah, entriß er einem Türken das Schwert, was eine schreckliche Schlacht auslöste. Der Comes fiel bald verwundet in die Hände der Türken, die ihm nach Kraushaar „als Vergeltung für Lippa" das Haupt abschlugen. Den ausgestopften Kopf schickte dann Achmed dem Sultan als Zeichen, daß Temeschburg gefallen sei. Mit Losonczy wurde die gesamte Besatzung abgeschlachtet.

General Aldana wurde nach dem Fall Temeschburgs für schuldig befunden, Losonczy keine Hilfe geleistet zu haben und infolgedessen zum Tode verurteilt. 1556, als er sich noch immer im Gefängnis befand, wurde er begnadigt.

Für Temeschburg und das Banat folgte nach diesem Geschehen eine 164-jährige Türkenherrschaft, die nur noch Tränen, Schrecken und Not über die Bevölkerung brachte.

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Temeschburg während der Türkenherrschaft (11)

Nach dem Fall Temeschburgs verwandelten die Osmanen das Banat in eine türkische Provinz. Temeschburg wurde zum Sitz eines Eyalets (Paschaliks), an dessen Spitze der Beglerbeg (Schloßvogt) Casim Pascha stand. Seinem Rang entsprechend trug er zwei Roßschweife. Das Eyalet war in mehrere Sandschaks, wie Temeschburg, Tschanad, Betschkerek, Pantschowa, Orschowa, Tschakowa, Lippa und andere unterteilt, an deren Spitze ein Beglerbeg mit einem Roßschweif stand.

Über das von den Türken besetzte Temeschburg, berichtet ausführlich Dr. Nicolae Iliesiu in seiner „Historischen Monographie". Die Festung befand sich in jener Zeit in einem sehr schlechten Zustand, da die Mauern durch Kanonenschüsse sehr beschädigt waren. Casim Pascha begann gleich mit den Reparaturen, wofür er Walachen aus den benachbarten Dörfern zur Zwangsarbeit zusammentrieb. Die Kirchen der Stadt waren bald zu Moscheen umgebaut worden. Über das Stadtbild weiß man, daß es damals noch keine mit Steine ausgelegte Gassen gab. Im besten Fall war der Gassenmorast mit Brettern abgedeckt. Deshalb herrschte auf den Gassen sehr viel Schmutz. Die Häuser waren meistens aus Holz errichtet. Die wenigen Häuser aus Ziegel waren im orientalischen Stil gebaut. Laut Dr. István Berkeszi sollen nur die Bethäuser, der Pulverturm, die Mühle und einige Verwaltungsgebäuden aus Ziegel gebaut gewesen sein. Es soll in Temeschburg in jener Zeit auch sieben Schulen für Kinder und eine Oberschule gegeben haben. Auf der letzteren hatte man Astronomie, Mathematik, Medizin, Recht und Philosophie gelehrt.

Zur türkischen Verwaltung gehörten auch die Steuereintreiber. Dieses „Finanzamt", „Khazine" genannt, dem der „Defterdar" vorstand, war auch der Besitzer eines Fünftels der Güter der besetzten Gebieten. Der Rest von vier Fünftel ist der angesiedelten türkischen Bevölkerung zugeteilt worden. Als Gegenleistung dafür mußten die Männer beim osmanischen Heer dienen. Die Steuern wurden in den einzelnen Distrikten vom „Hasnadar" (Haupteinnehmer) eingetrieben, die er dann in Temeschburg abliefern mußte. Dabei hatte jedes Dorf auch einen „Sardar" (Kassier), der zugleich auch die Funktion des Schulzen innehatte. Die Abgaben bestanden aus einer sehr hohen Kopfsteuer auf Mensch und Nutzvieh.

Der höchste Richter der Provinz, der „Hakimserija", hatte seinen Sitz in Temeschburg. Zivile und religiöse Klagen wurden vom „Kadi" gerichtet, die administrativen vom „Mufti". Das geringste Vergehen wurde auf grausamste Art bestraft. Vor Gericht hatte ein Christ keine Chance, Recht bekamen nur die Türken. Der Festungskommandant trug den Namen „Hakim". Zum Glaubensapparat gehörte auch der Hohepriester „Nakib-el-Esraf". Diesem unterstanden der „Chatib", der „Imam" und der „Muezin" (Gebetsrufer).

Der größte Teil der Temeschburger Bevölkerung (Ungarn, Walachen und Serben) waren vor den Türken geflüchtet. Wegen der vielen Raubzüge der neuen Landesherren in den nahegelegenen Dörfern flüchteten bald auch die Dorfbewohner. Langsam verwandelte sich das Banat in eine öde und entvölkerte Landschaft. Laut Dr. Iliesiu sollen die Türken den christlichen Glauben geduldet haben, Kirchen ließen sie aber nicht zu, die Kirchtürme waren sogar verboten. Während der Türkenherrschaft sollen es nach J. H. Schwicker sogar zwei orthodoxe Bischöfe in Temeschburg und Karansebesch gegeben haben. Zugleich gab es in der Festung auch einige bosnische Franziskaner und später Jesuiten, sowie auch einige Juden.

Temeschburg war aber laut Mihai Opris auch in der Türkenzeit ein Handelszentrum geblieben. Es bestanden Handelsbeziehungen mit dem Osmanischen Reich, mit Siebenbürgen, mit der Walachei, aber auch mit Italien und Norddeutschland. Es sollen in der Stadt nicht nur Schneider, Schuster oder Schmiede, sondern auch Gold- Silber- und Waffenschmiede und sogar eine „Schießpulvermühle" gegeben haben. Weil der Wasserturm zusammengeschossen war, entnahm man das nötige Trinkwasser aus der Kleinen Temesch. In diesen Fluß warf man zugleich auch den gesamten Unrat hinein.

Um die Jahre 1642 und 1643 soll die Festung wieder befestigt worden sein, und zwar von einem in Gefangenschaft geratenen deutschen Architekten. Nach Opris soll Andrea Cornaro aus Kreta die Wehrbauten sogar erneuert und einen Arm der Kleinen Temesch durch Temeschburg kanalisiert haben.

Eine ausführliche Beschreibung der Temeschburger Festung jener Zeiten stammt aus dem Jahre 1660 vom türkischen Reisenden Evlya Celebi (Tschelebi). Dieser schreibt: „Timisvar liegt in den Morästen des Timis-Flusses, wie eine Schildkröte im Wasser. Ihre vier Beine sind die vier großen Basteien, das innere Burgkastell aber ist ihr Kopf. Ihre Gestalt ist fünfwinklig. Weder Ziegel noch Steine sind darinnen, weil es eine aus dicken, mit geflochtenen Zäunen bekleideten Eichenstämmen errichtete Feste ist. Der geschickte Baumeister machte diesen Zaun aus Wildreben, überzog sie mit Gips und Kalk, so daß eine weiße Burg entstanden ist. Die Mauerdicke beträgt fünfzig Fuß, an manchen Orten sogar sechzig. Ringsherum ist ein tiefer Graben, und an drei Stellen gibt es auf die Festungsgräben blickende Wachzimmer. Allabendlich spielen neun Musikkapellen und alle Wachposten rufen sich die Nacht über von Zeit zu Zeit: 'Allah akbar!'. Die Festung hat keine Schießluken und keine Verteidigungstürmchen, wohl aber viele Kanonenscharten. Im ganzen gibt es 200 schöne Kanonen. Die Zahl und Menge des in der Festung aufbewahrten Kriegsgerätes sowie der Futter- und Lebensmittel kennt nur der erhabene Gott. Auf den Wällen kann die Festung in einer Stunde umgangen werden."

Aufgrund derselben Quelle soll Temeschburg damals fünf Tore gehabt haben, zwei davon, eines im Süden und eines im Osten, trugen denselben Namen „Azab". Dazu kamen noch die Tore des Hahns (das seinen Namen von dem auf ihm befindlichen Wetterhahn bekommen hat) im Norden, des Wassers und des Ufers. Oberhalb der Tore wurden Verse aus dem Koran angebracht. Im Kastell wohnten der Festungskommandant und die islamischen Geistlichen. Der Pascha verfügte über das größte und höchste Gebäude der Festung.
 

Temeschburg (Thomös War) um das Jahr 1650 (nach einer Zeichnung von Franz Wathoy)
Links das Hunyadi-Kastell (Az War), in der Mitte die Stadt (Waras)
und das größte Gebäude im Hintergrund ist das Haus des Paschas (Bassa haza)

Die Stadt soll aus 1.200 Häusern bestanden haben, in den Vorstädten soll es weitere 1.500 gegeben haben. Wie es scheint, übertrieb Celebi auch hier mit seiner Einschätzungen, was auch die Meinung Opris's ist. Die Stadt soll aus vier Wohnbezirke bestanden haben und die Vorstädte sogar aus zehn. Diese hatten je eine Moschee, in der Stadtmitte stand die Große Moschee. Auf der Südseite des heutigen Freiheitsplatzes (Piata Libertatii) befand sich der Bazar. Von den vier Bädern jener Zeit befand sich eines auf der Nordseite desselben Platzes und zwei weitere bei den Toren des Wassers und des Ufers. Celebi bestätigt auch die Existenz der sieben Schulen für Kinder. Er schreibt auch von drei Herbergen und 400 (?!) Geschäften, die es im türkischen Temeschburg gegeben haben soll.

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Temeschburg im Kampf gegen das Türkenjoch (12)

Wie auch im Falle der anderen banater Burgen war man um die Befreiung Temeschburgs vom türkischen Joch bemüht. 1594 versuchter der siebenbürgische Fürst Sigismund Báthory die im Banat lebenden Serben und Walachen zum Aufstand gegen die Osmanen zu bewegen. Der Aufstand brach auch bald aus, und zwar unter der Anführung Theodors von Dazien. Als das Südbanat in ihren Händen war, zogen die Aufständischen zur Betschkereker Burg und schlugen hier die Türken unbarmherzig nieder. Da zog der Pascha von Temeschburg gegen sie zu Felde, wurde aber immer zurückgeschlagen und verlor dabei 25.000 Mann. Da es aber bei den Aufständischen an einer einheitlichen Führung mangelte, gerieten sie in Bedrängnis und baten darum Báthory um Hilfe. Diese kam auch bald unter der Heerführung Moses Székelyis, er blieb aber unbegreiflicherweise an den Grenzen des Banats stehen. So konnte der Pascha mit 30.000 Mann die Aufständischen in die Flucht schlagen.

Am Anfang des Jahres 1595 schloß Báthory mit dem österreichischen Kaiser Rudolf ein Bündnis gegen die Türken und schickte Georg Borbély mit einem beträchtlichen Heer ins Banat. Dieser eroberte einige südbanater Burgen, und als der Pascha wieder von Temeschburg anrückte, konnte er in die Flucht geschlagen werden. Als Folge dieses Sieges des siebenbürgischen Heeres ergaben sich mehrere von den Türken besetzte Burgen auch im Nordbanat. Dr. Iliesiu schreibt, daß in jenem Jahr auch die Temeschburger Festung belagert worden sei, doch konnten die Türken erfolgreich Widerstand leisten.
 

Temeschburg im Jahre 1596 während der Belagerung durch Sigismund Báthory

1596 versuchten die Osmanen die im vorigen Jahr verlorenen Burgen zurückzuerobern. Da erschien laut Kraushaar Báthory selbst im Banat, und nach der Rückeroberung Lippas griff er Temeschburg an. Am 11. Juni 1596 war die Festung von allen Seiten eingeschlossen. Nachdem die Mauern mit Kanonen beschossen wurden, stürmte Báthory die Festung, wurde aber bald zurückgeschlagen.

Dr. Iliesiu begründet diese Niederlage mit der Übermacht der Türken; die Besatzung der Festung zählte 10.000 Osmanen, wobei Báthory nur über die Hälfte verfügt haben soll, und davon sollen 2.082 Fußvolk und 1.146 Reiter gefallen sein. Diese Daten erscheinen aber fragwürdig, wenn man Kraushaars und Griselinis Schilderungen beachtet. Vor der zweiten Stürmung der Festung kam ein etwa 20.000 Mann starkes Tatarenheer angerückt. Beide Autoren geben an, daß Báthorys Heer die Tataren in die Flucht geschlagen und ihnen einen Verlust von 10.000 Mann beigebracht haben soll. Das konnte aber nicht geschehen, wenn Dr. Iliesius Angaben wahr gewesen wären. Nach einer 40-tägigen Belagerung sah sich Bathory gezwungen, die Festung wegen Mangel an Lebensmittel und Belagerungsmaterial aufzugeben.

Im nächsten Jahr schickte der siebenbürgische Fürst Báthory sein Heer unter dem Befehl seines Kanzlers Stefan Josika noch einmal nach Temeschburg, um es zu erobern. Die Belagerung dauerte vom 17. Oktober bis zum 17. November 1597, war aber auch diesmal ohne Erfolg. Zwar stieß Josika bis in die Vororte Temeschburgs vor, aber die Festung mußte er wegen des herbstlichen Dauerregens aufgeben. Nach diesem letzten Versuch Temeschburg zurückzuerobern blieben die Osmanen noch ein ganzes Jahrhundert lang die unbestrittenen Herrscher über die Hauptstadt des Banats. Diese diente nur noch als Stützpunkt der Türken für ihre zahlreichen Kampfzüge, die sie in Nord- und Westungarn, aber auch in Siebenbürgen führten.

1683 beschloß Sultan Mohamed das christliche Europa ganz zu unterwerfen, und der erste Schritt bei der Verwirklichung dieses Planes sollte die Besetzung Wiens sein. Das türkische Heer, das aus 200.000 Mann bestand, wurde jedoch am 12. September 1683 unter der Mithilfe des polnischen Königs Sobiesky total geschlagen. Diese Schlacht um Wien war der Anfang vom Ende des Osmanenreiches. Am 2. September 1686 wurde Ofen (Buda) von den Christen gestürmt und zurückerobert, danach folgten Fünfkirchen (Pécs) und Szegedin. Am 12. August 1687 besiegten die Österreicher die Türken bei Mohatsch (Mohács). Ein Jahr später, am 12. August 1688 begann der bayerische Kurfürst Max Emanuel mit der Belagerung Belgrads, die sich am 6. September den Kaiserlichen ergab. Bei der Stürmung Belgrads beteiligte sich auch Prinz Eugen von Savoyen. Nach nur zwei Jahren, 1690, fiel die Belgrader Festung wieder in die Hände der Türken. Bei dieser Gelegenheit flüchtete der Ippeker Erzbischof Arsen Csernovits mit 30.000 „meist serbische Familien" (Kraushaar) in die von Österreich besetzten Gebiete und ließen sich in Syrmien, Slawonien und im Banat nieder.

Laut Karl Kraushaar ließ Sultan Mustafa II. am 20. Juni 1695 ein Heer von 50.000 Mann in Ungarn eindringen. Dieses Unternehmen sollte ein gleichstarkes Heer unter der Anführung des Kurfürsten Friedrich August von Sachsen vereiteln. Im August kam dieser in Peterwardein an, mit dem Auftrag des Wiener Kriegsrates, Temeschburg zu erobern. Bald war aber der Kurfürst bei Lippa angelangt, da ihn die Moräste bei Beodra und Groß-Kikinda verhinderten nach Temeschburg vorzudringen. Im nächsten Jahr versuchte der Kurfürst wieder an Temeschburg heranzurücken. Nachdem er die Sümpfe der Aranka durchquert hatte, begann er am 1. August 1696 Temeschburg zu belagern. Hier erfuhr er aber, daß der Sultan den Belagerten zur Hilfe käme. Er zog den herannahenden Osmanen entgegen und traf sie bei Tschene (Cenei). Eine dreitägige Schlacht endete unentschieden, die christlichen Verluste beliefen sich auf 1.146 Mann, die Türken hatten doppelt soviele Tote zu beklagen. In diesen Kämpfen kam auch der Temeschburger Pascha um. Beide Seiten waren so geschwächt, daß sie weitere Kämpfe vermieden hatten.

Da für diese Schlappe der Kurfürst Friedrich August von Sachsen verantwortlich gemacht wurde, entschloß sich der Hofkriegsrat, diesem einen General als Ratgeber zur Seite zu stellen. Dieser war kein Geringerer als der schon berühmt gewordene Prinz Eugen von Savoyen. Kurz danach wählte man den Kurfürsten zum König von Polen, zum Oberbefehlshaber der Kaiserlichen machte man den 35-jährigen Prinzen Eugen. Seinen ersten glänzenden Sieg über die Türken konnte er am 11. September 1697 in der Schlacht von Zenta erringen. Hier fand zugleich auch die Feuertaufe des Hoch- und Deutschmeister-Infanterieregiments statt. Nach dieser Schlacht, die von zwei Stunden vor Sonnenuntergang bis 22 Uhr dauerte, zählten die Türken 20.000 Tote auf dem Schlachtfeld und 10.000 Ertrunkene in der Theiß. Prinz Eugen beklagte laut Kraushaar nur 300 Tote und 1.200 Verwundete. Sultan Mustafa II. mußte sich diese schreckliche Niederlage vom linken Ufer der Theiß mit ansehen, ohne eingreifen zu können. Aus Angst floh er nach Temeschburg und hinterließ den Kaiserlichen eine prächtige Kriegsbeute. Der Sultan erkannte die Schwächen seines Heeres, aber auch Prinz Eugen wollte sein Heer in Ruhe überwintern lassen. So kam es dann am 26. Januar 1699 nach langen Verhandlungen zum Friedensvertrag von Karlowitz (heute: Karlovac).

Während der folgenden Friedenszeit befestigten die Türken wieder die Temeschburger Festungsmauern. Türkischen und ungarischen Urkunden zufolge soll der Temeschburger Pascha am 14. November 1705 dafür Hilfe vom Sultan verlangt haben. Der Sultan schickte sofort 50 Bauarbeiter von Belgrad nach Temeschburg, und der walachische Wojewode Constantin Brâncoveanu schickte das nötige Holzmaterial auf 50 Wägen, die von je vier Ochsen gezogen wurden. Ein Jahr später, 1706, erbauten die Türken laut Dr. Iliesiu eine Kaserne mit 41 Räume, die 2.537 Piaster gekostet haben soll. Das waren aber die letzten Kriegsvorbereitungen der Türken in Temeschburg.

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Temeschburg im Befreiungskampf (13)

Am 5. August 1716 errang Prinz Eugen von Savoyen einen herrlichen Sieg über die Türken bei Peterwardein. Er erkannte aber auch bald, daß die Eroberung Temeschburgs unbedingt notwendig war, um das gesamte Gebiet Südungarns von den Türken zu befreien. Darum sandte er Feldmarschall Graf Pálffy mit mehreren Regimenten Fußvolk und Reiterei gegen Temeschburg, um die Festung von jedwelcher Hilfe oder Versorgung abzuschneiden. Der Prinz selbst kam am 26. August 1716 mit dem Hauptheer vor den Festungsmauern an. Er entschloß sich, Temeschburg von der Nordseite, also von der Großen Palanka aus, anzugreifen, da die südliche Seite von Sümpfen umgeben war. Zuerst wurde das Lusthaus (auf der heutigen Torontaler Landstraße) eingenommen, wonach Vorbereitungen für die Belagerung getroffen wurden. Am 6. September begann man mit zwei Batterien von 18 Kanonen, die Stadt zu beschießen. Der türkische Stadthalter von Temeschburg, Mustafa Pascha, verteidigte die Stadt mit 18.000 Mann. Am 9. September machte er sogar einen Ausfall, aber bald wurde er wieder zurückgeschlagen.
 

Temeschburg unter den Türken

Dr. Iliesiu schreibt von einer besonderen Kampftaktik, die der kaiserliche Feldherr hier angewendet hatte. Er soll verordnet haben, daß sich alle seine Trommler und Trompeter vor den Mauern versammeln und laut heitere Musikstücke spielen. Als die neugierige Türken auf die Mauern stiegen, um zu sehen, was draußen geschähe, eröffneten die Österreicher das Feuer, und viele Türken fanden so den Tod.

Am 22. September erhielt Prinz Eugen die Nachricht, daß sich ein türkisches Reiterheer Temeschburg nähere. Graf Max von Starhemberg wurde dem 20.000 Mann starken Reiterheer entgegengeschickt. Auf den Pferden der Türken saßen auch noch etwa 4.000 bis 5.000 geübte Janitscharen als Zweitreiter, und andere Pferde waren mit Schießpulver und Proviant beladen. Graf von Starhemberg konnte den Durchbruch des Feindes dreimal verhindern, und schließlich gelang es ihm, sie ganz zu vertreiben, nachdem sie 4.000 Mann verloren hatten.

Die Erstürmung Temeschburgs sollte am 30. September 1716 unter Prinz Alexander von Württemberg beginnen, aber die Große Palanka ist erst am 1. Oktober gestürmt worden, nachdem das gesamte kaiserliche Heer die ganze Nacht kampfbereit einem dichten Herbstregen ausgesetzt war. Nach heftigen Gefechten gelang es den Kaiserlichen, die Große Palanka zu erobern, und die Türken zogen sich dann in die Festung zurück. Alle Versuche der Belagerten, die Große Palanka zurückzuerobern, blieben erfolglos, aber es gelang ihnen in der Vorstadt Feuer zu legen, das 8 bis 10 Tage nicht gelöscht werden konnte. Damals brannten in der Großen Palanka 1.200 Häuser ab, woraus zu erkennen ist, daß hier viel mehr Einwohner lebten als in der Festung. Von dieser Schlacht schreibt Dr. Iliesiu, daß während der Kämpfe der Sohn des türkischen Festungskommandanten schwer verwundet worden sei. Prinz Eugen soll ihm einen Chirurgen geschickt haben, wofür ihm der Türke seinen jüngsten Sohn als Geisel und sechs Pferde als Geschenk geschickt haben soll. Die Kaiserlichen hatten nach diesen Kämpfen über 400 Tote und 1.327 Verletzte zu beklagen.

In den nächsten Tagen ließ Prinz Eugen die Vorbereitungen zur Stürmung der Festung durchführen, zugleich wurden die Mauern aus allen Seiten, wo es nur möglich war, mit Kanonen beschossen. Am 11. Oktober wurde dann mit aller Kraft aus allen verfügbaren Kanonen der Kaiserlichen auf die Festung geschossen. Die Türken erwiderten diesen Angriff anfangs nur sehr spärlich, aber nachdem sie ihre zerstörten Kanonen repariert hatten, begannen auch sie , intensiv zu schießen, besonders nach Einbruch der Nacht. Da nun wegen des andauernden Herbstregens die Schützengräber mit Wasser gefüllt waren, dachte Prinz Eugen über einen Abbruch der Belagerung Temeschburgs nach. Die weitere Belagerung schien aussichtslos, nachdem die Kaiserlichen schon 2.407 Tote und 4.190 Verwundete zu beklagen hatten.

Ganz unerwartet und überraschend erhielt Prinz Eugen am 13. Oktober 1716 vom Prinzen Alexander von Württemberg die Meldung, daß die Türken auf einem der Wehrtürme eine weiße Fahne gehißt hatten. Das war das erfreuliche Zeichen, daß an diesem 48. Tag der Belagerung über Temeschburg nach einer 164-jährigen Nacht des Halbmonds wieder die Sonne strahlend aufging.
 

Lageplan Temeschburgs von Matthäus Seutter
Kupferstich um 1730 - Augsburg

Die Texte aus Seutters Kupferstich

Oben links:

„ Temeswaria Oppidum superioris Hungariae in Comitatu Temesiensi ad Temesium flumen; natura et arte munitum jure Belli in Potestatem Caesaris redactum, opera et sumtibus M. Seutter S. Caes Maj. Geographi Augustae Vindel.

 Temeswar eine in Ober Ungarn an dem Fluß Temes, u: um und um in Morast liegende auch ohnvergleichlich befestigte Stadt: seit 1718 in den Großmächtigsten Schutz Kayser CARL des VI. widergebracht, heraus gegeben M. Seutter Kayserl Maj. Geogr. zu Augsburg."

Oben mitte:

 „Anj???im Verlag bey TOB. CONR. LOTTER Geogr. ?? Augsburg"

Oben rechts:

„Die Stadt Temeswar in Ober Ungarn, hat ihren Namen von dem Fluß Temes, woran es liegt, bekommen, ist zwische der Donau u: Siebenbürge in d. Mitte: wege des umher liegende Morast vo Natur ohnvergleichl.befestigt; bestehet aus 3 Theil, neml. d. Insul od: Raitzen, der eigentliche Stadt u: dan dem Veste Schloß: überhaupt vo Schloß: überhaupt vo mittelmäßiger Größe, aber herrliche Mauern, tieffe Wasser.Gräbe u: absonderlichen Palanken fortificirt.

Ihr Alterthum u. was vor ein Ungarischer Kön: selbe erbaut, ist sehr ungewiß: doch war sie jederzeit eine wohlverwahrte Vormauer wider die Bulgarer u: anderer benachbarte Völckern Einfälle; wie den in der Ebene vor dieser Stadt die Türke 2 mal nemlich 1400 u: etl. u: 60. und 1590. als sie der Vestung zu Entsatz kamen geschlage wurden: Ao 1551. wurde sie vo den Türcken wiewohl vergebens belagert, doch ward sie im folgenden Jahr mit gewissen Verträg. Articulen überlassen, welche sie doch treuloser weiß gehalten, indem sie so wohl die Besatzung als auch dererselbe Comendante schändlich umgebracht.

Erst Ao 1697 haben die Christen diesen Ort suche durch eine Belagerung zu erobern, war aber auch vergebens, biß sie gleichwohl 1716 nach glückl. erlangte Schlacht bey Peterwardein nochmals die Hand an den Ort legten, auch solchen besagten Jahr d. 12 Obr. eroberten nachdem die Türcken solchen Ort 167 Jahre innen gehabt - wie dan in dem Friedens Schluß zu Passarowitz 1718 d. 21 July solcher dem Römischen Kayser als Ungarischen König wider eingehändigt worden; seit welcher Zeit auch die Christliche religion durch abschückung unterschiedlicher Missionarien eingeführt, wie den auch der Ort selbst mehr und mehrers befestigt worden.

Unten rechts:

 A. Die Stadt.
 B. Das Schloß.
 C. Kleine Palanka.
 D. Große Palanka.
 E. Ein großes Wach Haus in dem Graben, albwo ein sehr treffliche Brust Währ, um alles viel besser zu erkennen und zu unterscheiden.
 F. Drey Waffen Plätz im Schloß, und eine kleine Palanka gegen die Gräben zu.
G. Eine große Brugg von 500 Ruthen über die Morast.
 - Die letzten zwei Reihen sind unleserlich -

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Die Kapitulation der Türken (14)

Nachdem die weiße Fahne als Zeichen der Kapitulation von den Türken auf den Festungsmauern gehißt wurde, begannen die Verhandlungen. Im kaiserlichen Lager erschienen Achmed Aga, der Festungskommandant und Melek Ibrahim Effendi (nach Dr. Iliesiu - Griselini schreibt von einem Ali Effendi). Während der Verhandlungen mußten im türkischen Lager die Grafen von Wallis und Filippi verweilen. Es wurden die „Capitulations-Puncten der Türcken in Temeswar und welcher gestalt selbige der Printz Eugenius angenommen" ausgehandelt. Diese hatten folgenden Wortlaut (mit der damaligen Schreibweise) aufgezeichnet in der „Ausführliche(n) Beschreibung des Ungarischen Feld-Zugs, Anno 1716" (erschienen im Nürnberger Johann Albrecht Verlag):

„I. Uns mit allen unsern Weibern und Kindern soll alles was in unsern Häusern an Effecten sich befindet; wie auch alle Wägen und Pferde und anders Vieh zu Fortbringung unserer anderer Haab und Güter völlig verbleiben und uns dergestalt ein freyer Abzug verstattet werden daß weder unserer Nation, noch auch anderen Personen wer die seyn mögen kein Überlast noch Schade oder Beleidigung wiederfahren zu lassen gestattet werden möge.

 - Ist gewilliget ausgenommen die Deserteurs.

II. Undt daß so wohl den Einwohnern als der Militz zu Ross und Fuss mit ihrem Ober- und Unter-Gewehr samt Fahnen und klingenden Spiel abzu ziehen nicht verwehret werde: sondern von dem Tage des Ausmarsches soll der Marsch aus Temeswar gerade nach Belgrad in 8. March Stationen gegeben werden und den geradesten Weg gehen. Die erste Station, nacher Themisch über die Brücken; die zweyte über die andere Brücken bey Schebel so ein Dorff am Morast ist; die 3 te bey Tente über die Brücken Bieschowa; die 4 te auf den sogenandten Morast Margida; die fünffte auf Allibonar bey einer gewesenen Palancka; die 6 te auf Banzova; die 7 te auf Bortscha allwo die Uberfuhr ist. Und gleichwie zu Fortsetzung des Marches dahin genugsame sichere Convoy zu geben gebetten wird als wird auch von Seite des Bassa zu Belgrad als denn ein Revers gegeben werden daß die Belagerte sicher nach Bortscha convoyrt werden.

- Ist verwilliget es müssen aber so lang biß die Convoy wieder zuruckkommen Geißeln gelassen werden.

III. Zur Fortbringung unserer Weiber Kinder samt denen Effecten Haab und Gütern damit niemand zurücke bleiben noch zu Fusse gehen möge sollen 7 000 bespannte Wägen gegeben werden und im Fall ein Wagen zerbreche oder das Vieh zu Grunde gieng so sollen andere an deren statt herbey geschaffet und nicht gestattet werden dass was ausgeplündert werde. Ingleichen wenn ein oder anderer um sein Geld einen Wagen kauffen könnte dass man solches nicht verhindere.

 - Es ist bekandt dass eine solche Quantität von Wägen nicht zu haben man wird ihnen aber tausend Wägen geben und zugleich gestatten daß sie einige zurücklassen und durch selbe ihre Effecten nach und nach fortbringen und abfahren lassen können; wie ingleichen unverwehret seyn solle wenn sie einige Wägen haben können selbige zu erkauffen und hat es der verlangten Sicherheit halber auch keinen Anstand: jedoch solle auch ihrer Seits die Sicherheit von Unterbleibung der Hostilität und Feindseeligkeiten gegeben werden.

IV. In währenden March soll was zu Unterhaltung der ausziehenden Belagerten an Victualien und Subsistentz nöthig durch die Bauern zuführen zu lassen nicht allein die hülffliche Hand gegeben werden solche um paare Bezahlung und billichen Preiss zu überkommen damit keine Noth biß Bortscha gelitten werde sondern auch die Vorausstaltung darzu gemacht werden.

 - Ist verwilliget.

V. Die Convoy soll währenden March von Temeswar biß Belgrad sich nicht unter der Belagerten Zug meliren sondern selbigen mit guter Ordre decken damit von andern Nation kein Überlast geschehe.

 - Ist verwilliget.

VI. Nach geschlossener Capitulation und Unterzeichnung der Puncter sollen so wohl Munition, Artillerie, Proviant und andere Kriegs-Geräthschafft denen so darzu deputiret seyn werden zu übernehmen getreulich extradiret werden; jedoch ist nicht mit verstanden was denen Particular Familien gehörig so ohne Hinderniß was sie abführen wollen und können verstattet werden solle auch nach Willkühr darüber zu disponieren. Wegen Abtrettung der Aussenwerker aber und eines Thores soll derjenige so mit der Capitulation hinaus geschickt wird genugsame Vollmacht zu tractirren haben aus was Weise und wenn es geschehen solle.

 - Weilen in allen Vestungen die Munition dem Herrn zugehörig auch sonst nicht wissend ist was deren Particularen für eine Munition sey als kan hierinnenfalls nichts abzuführen gestattet werden; außer daß ein Mann etwan ein paar Schuß mit sich nehmen möge. Was aber der Particularen eigenes Proviant anlanget kan selbiges mitgenommen werden. Wegen Einraumung des Thors und Außenwercker hat der Herr Gen. Feld-Zeugmeister Printz Alexander von Würtenberg die Commission und Vollmacht das behörige zu tractiren; dessen Handlungen in allen gut geheißen und ratificirt seyn wollen.

VII. Diejenigen Sclaven und andere Christen so den Mohametanischen Glauben vor vieler Zeit freywillig angenommen und gerne mit abziehen wollen sollen nicht aufgehalten seyn jedoch seyn diejenigen nicht mit begriffen so währender Belagerung übergegangen sondern können wenn man sie findet begriffen werden.

- Die Deserteurs sollen zurück gegeben werden denen übrigen aber so von der Rätzisch-Jüdisch- und übrigen angeführten Nationen darinnen verbleiben wollen soll darinnen zu verbleiben jenen auch so wie sie hinweg wollen mit ihrer Haab und Gut gestattet seyn.

VIII. Denen Couruzen so sich allda befinden; soll auch mit nach Belgrad zu ziehen verstattet werden.

 - Die Canaille kan hingehen wo sie will.

IX. Alle Effecten sollen frey zu verkauffen verstattet werden.

 - Ist verwilliget.

X. Soll keines Weges unter einem Praetext einer vor vorigen Zeiten herfürsuchenden Ursache der Abmarch verhindert und die Capitulation vioret werden.

 - Hat sein Verbleiben und ist verwilliget.

Schließlich nach geschlossener Capitulation und deren Unterzeichnung sollen 10 Tage biß zu den Abzug verstattet werden; oder so bald man die benöhtigte Wägen herbey geschaft und beladen hat. Actum Temeswar den 13. October . 1716.

 - Sollen gleich so bald die 1 000 Wägen beysammen ausziehen und soll solches auf das eheste und längstens übermorgen geschehen; das Thor und äussere Wercker aber heute noch abgetretten und eingeräumet werden.

N. B. Alle Gegangene ohne Unterscheid müssen zurücke gegeben werden. Signatum Feld. Läger vor Temesvar den 13. Octob. A. 1716.

L. S. Eugenio von Savoy
L. S. Mehemed Aga Azebani Edwel
L. S. Chadzi Mehemed"   (nach Dr. Nicolae Iliesiu)
 

Oben: Gedächnismedaille zur Befreiung Temeschburgs
Unten: Temeschburg am Anfang des 18. Jahrhunderts
Liget in ober Ungarn Zwischen der Donau und Siebenbürgen.
Ward Ao 1552 von den Türcken erobert; nach der Glücklichen Bataille bey Peterwardein
Ao 1716 ist sie von den Kayserl Belagerer und 1. October die große Palanka mit Sturm erobert worden, d. 12 dito aber Stadt u. Schloß mit accord.

Am 16. Oktober begann der Auszug der Türken, die von den früheren 18.000 nur noch 12.000 streitbare Männer zählten, und am nächsten Tag verließ der letzte Türke Temeschburg. Bei der Übergabe der Festung schenkte laut Dr. Iliesiu Prinz Eugen dem Pascha eine Golduhr und erhielt von diesem ein Araberpferd. Zugleich kamen die Kaiserlichen in den Besitz von 120 Kanonen, die mit dem österreichischen Wappen gekennzeichnet waren und die 1552 zur türkischen Kriegsbeute wurden. Am 18. Oktober 1716 zog Prinz Eugen von Savoyen in die Temeschburger Festung ein, um hier als Sieger seinen 43. Geburtstag zu feiern. Das Tor, durch das Prinz Eugen in die Festung einzog, wurde später „Prinz-Eugen-Tor" genannt.

Bevor Prinz Eugen Temeschburg wieder verließ, ernannte er Graf Franz Paul von Wallis zum Festungskommandanten. Zum Gouverneur, „der nämlich imstande wäre, diese Gegend nicht nur militärisch zu behaupten, sondern das gänzlich brachliegende und verödete Land auch der Kultur und geregelten Zuständen allmählich zuzuführen" (K. Kraushaar) ernannte er den General der Kavallerie Graf Claudius Florimund Mercy.

Schließlich war der türkische Sultan nach mehreren weiteren Niederlagen geneigt, mit dem kriegsmüden Kaiser Karl VI. Frieden zu schließen. Der Friedensvertrag wurde am 21. Juli 1718 in Passarowitz (heute: Pozarovac) unterzeichnet. Laut dieses Vertrags kam Temeschburg und das Banat in den Besitz der österreichischen Krone; das Banat wurde ein Kronland des Kaiserreichs.

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Temeschburg unter dem kaiserlichen Zepter (15)
 - Die Karlsfestung -

Bald nach der Befreiung Temeschburgs von den Türken (1716) begann man mit der Verstärkung der vorhandenen Festungsanlagen. Die Arbeiten wurden unter der Aufsicht des Grafen Mercy durchgeführt. Zugleich wurde auch mit der Errichtung der letzten und der modernen Kriegstechnik angepaßten Temeschburger Festung begonnen. Sie bekam den Namen des damaligen österreichischen Kaisers Karl VI. und wurde deswegen als Karlsfestung bekannt.

Der Grundstein dieser neuen Festung wurde vom Jesuiten-Superior P. Michael Gastayer bei einer großen Feierlichkeit am 25. April 1723 in der nördlichen Bastei gelegt. Der Stein enthält folgenden Text in lateinischer Sprache: „ Imperante Carolo VI. Duce Eugenio Sabaudiae Principe per cladem Petro-Varadini MDCCXVI a Turcis recuperata Provincia, sub praesidio claudii Comitis a Mercy anno a partu Virginis MDCCXXIII die XXV mensis Aprilis Temesvarini moenia fondabantur". Dieser Text bereitete wahrscheinlich auch schon Dr. Iliesiu Übersetzungsschwierigkeiten, da er ihn nicht , wie andere Texte ins Rumänische übersetzte. Aus demselben Grund folgt auch hier nur eine lückenhafte Übersetzung: „Während der Herrschaft Karls VI. unter dem Feldherrn Prinz Eugen von Savoyen wurde infolge der Niederlage bei Peterwardein 1716 die Provinz aus der Hand der Türken zurückerobert, unter dem Schutz [... Übersetzungslücke - A. Z.) wurden von Mercy im Jahre 1723 seit Niederkunft der Hl. Jungfrau , (= nach der Geburt Christi - Anm. d. Verf.), am 25. Tag des Monats April die Stadtmauern von Temeswar errichtet". Die Bastei, in deren Mauern der Grundstein gelegt wurde, bekam laut Béla Schiff den Namen des Gründers des Jesuitenordens, des Hl. Ignatius. Die Bauarbeiten, die laut Dr. Iliesiu 20 Millionen Gulden kosteten, dauerten bis 1765. Während dieser Zeit verwandelte sich Temeschburg von einer mittelalterlichen Festung zu einen der modernsten, im Vauban'schen System errichteten Wehrbauten des 18. Jahrhunderts. Auf dem Gebiet des heutigen Rumänien war er nach Mihai Opris der perfekteste Wehrbau dieser Art.

Daß dieses große Vorhaben in mehreren Etappen durchgeführt wurde, erkennt man, wenn man den Festungsplan aus dem Jahre 1727 (siehe Abb.) mit jenem von 1736 vergleicht. Der erste zeigt noch die Festungsanlage aus der Türkenzeit, wobei auf dem zweiten eine viel größere Festung, die nach Schiff wie ein „unregelmäßiges, bastioniertes Neuneck" aussah. Bemerkenswert ist auch die Feststellung, daß es während der Bauzeit verschiedene Tore gab. So erkennt man auf dem ersten Plan im Osten das Lugoscher Tor (L) (das spätere Siebenbürger oder Fabriker Tor), im Nordosten das Arader Tor (A), im Nordwesten das Prinz-Eugen-Tor (E) (das gewesene Fosforzi-Tor) und im Süden das Belgrader (B) (das spätere Peterwardeiner oder Josefstädter Tor).

Der Festungsplan von 1727

Auf dem Plan von 1736 ist das Arader Tor nicht mehr vorhanden, und die Stelle, wo das Prinz-Eugen-Tor gekennzeichnet war, befindet sich zusammen mit einem Teil der Großen Palanka tief im Inneren der Festung. Das Prinz-Eugen-Tor ist hier vom Wiener oder Mehala-er Tor ersetzt worden. Zugleich ist auf diesem Plan das Belgrader Tor noch auf der Ostseite des Kastells gekennzeichnet, während es später auf die Westseite versetzt wurde und dann den Namen Peterwardeiner oder Josefstädter Tor trug. Laut Dr. Iliesiu waren die Tore sehr eng, so daß nur ein Wagen durchfahren konnte. Aus diesem Grund mußte 1877 bei allen Toren ein zweiter Durchgang in die Mauer geschlagen werden, um den Verkehr in beide Richtungen zu ermöglichen. Zu den Toren gelangte man über Zugbrücken, die abends mit schweren Ketten aufgezogen wurden. Laut Schiff soll man diese zur Einzäunung des Grabmals, das zu Ehren der im Jahre 1849 gefallenen Kaiserlichen im Militärfriedhof errichtet wurde, benützt haben.

Die neuen Festungsmauern wurden in Form von dreifachen Mauerwällen erbaut. Zwischen diesen befanden sich Wassergräben, die bei Bedarf mit Wasser aus der Bega gefüllt werden konnten. Der innere Mauerwall war 10 bis 12 Meter hoch, die anderen waren nach außen hin immer niedriger. Entlang der Mauer waren neun Basteien errichtet worden, die der Festung eine sternförmige Gestalt gaben. Zwischen dem Peterwardeiner und dem Wiener Tor befanden sich die Florimund- (nach Opris) oder Mercy- (nach Schiff) (21), die Prinz-Eugen- (20) und die Elisabeth-Bastei (19). An der Prinz-Eugen-Bastei wurde 1734 nach ihrer Fertigstellung eine Tafel angebracht, auf der in lateinischer Sprache folgender Text stand: „Dem großen Kriegsführer, Durchlaucht Prinz Eugen von Savoyen, wird ein gelobtes Unterpfand (= Grundstein - Anm. d. Verf.) der Ehrerbietung geweiht, und ein eckiger Schutzstein (= Bastei - Anm. d. Verf.) wird zu Ehren dieses Helden gewidmet, der dem unbesiegten Kaiser die zugrundegerichtete Provinz wiedergegeben hat, indem er sie nach Niederwerfung der Barbaren in einer Schlacht befreite". Nach dem Wiener Tor folgte die Karlsbastei (18), der den schon anfangs erwähnten Grundstein enthält. An ihren Mauern wurde nach der Beendigung der Bauarbeiten eine Tafel mit folgendem lateinischen Text angebracht: „Der erhabene Kaiser VI. hat der Nachwelt, als das Banat vom Joch der Türkei nach 164 Jahren befreit und dem christlichen Glauben und der Herrschaft Österreichs auf ruhmvolle Weise zurückgeführt worden war dieses Schutzwerk, das er errichten ließ, hinterlassen; es legt Zeugnis ab von Standhaftigkeit und Tapferkeit". Danach folgten bis zum Siebenbürger Tor die Arader- (nach Opris) oder die Franzens- (nach Schiff) -Bastei (17), die Theresien- (16), die Josephsbastei (15), und schließlich die Pulverturm- (nach Opris) oder die Hamilton- (nach Schiff) (23) und die Schloßbastei (22). Bis heute sind von der Temeschburger Festung nur drei Teile erhalten geblieben. Vollständig steht nur das Verpflegungsmagazin, in dem heute die ethnographische Abteilung des Banater Museums untergebracht ist. Die anderen zwei sind Bruchstücke der Prinz-Eugen- und der Theresienbastei (am Timisoara 700-Markt bzw. in der Nähe des Postpalais). Beide wurden in den '60-er Jahre instandgesetzt; teilweise hatte man darin Gaststätte eingerichtet.

Der Festungsplan von 1736

Außerhalb der letzten Mauer folgte laut Dr. Iliesiu und Schiff die „Glacis", was soviel wie Wehrabhang bedeutet. Es war der freie Platz um die Festung, und bildete den Festungsgrund. Danach folgte ein breites, flachabfallendes und deckungsloses Gelände, das als Schußfeld benützt war und das man „Esplanada" nannte. Dr. Iliesiu schreibt, daß die Breite dieses Areals anfangs 950 Meter betrug, später reduzierte man sie auf 570 Meter. Schiff hingegen schreibt, daß ursprünglich war die „Esplanada" 300 Klafter breit und später hatte man sie auf 500 Klafter erweitert.

Dieser moderne Wehrbau, der gegen die stärksten Feinde gerüstet sein sollte, wurde niemals in seiner Geschichte auf die Probe gestellt. Die Festung ist zwar einmal während der Revolution von 1848-49 belagert worden, aber nach 107 Tagen wurden die Belagerer bei Sankt-Andres vom kaiserlichen Heer geschlagen. Da der Wehrbau in den folgenden Jahren durch die weitere Entwicklung der Kriegstechnik bedeutungslos wurde, hat man laut Th. N. Trâpcea 1871 mit der Abtragung der Festungsmauern begonnen. Dieser frühe Zeitpunkt der Schleifung der Festungsmauern Temeschburgs wird aber von anderen Autoren, wie Dr. N. Iliesiu oder den Architekten M. Opris nicht bestätigt. Dr. Iliesiu schreibt in seiner Temeschburg-Monographie, daß die Militärbehörden erst 1891 eine Genehmigung für die Abtragung der Festungstore erteilten. Er behauptet auch, daß man mit der Schleifung der Festungsmauern erst 1898 begonnen hat. Dieser Behauptung stimmt auch Opris zu, indem er 1987 schreibt, daß die Mauern zwischen 1899 und 1902 abgerissen wurden. Franz Liebhard schreibt zwar, daß die Festungsmauern zum ersten Mal 1868 durchbrochen wurden, um die Geleise der neugeschaffenen Pferdebahn zu legen, aber zugleich sollte es noch drei Jahrzehnte dauern, „bis die k. u. k. Armee sich endlich herbeiließ, die mächtigen Festungswerke zum Abbruch freizugeben". Der durch die Abtragung freigewordene Baugrund wurde 1905 vom zuständigen Ministerium der Stadt Temeschburg verkauft. Dieses große Grundstück, zu dem nun auch die aufgefüllten Wassergräben gehörten, hatte eine Gesamtfläche von 239,50 Joch. Mit dem Anfang des 20. Jahrhunderts endet eine tausendjährige Geschichte der Temeschburger Festung. Zugleich beginnt für die Banat-Metropole ein bedeutendes Kapitel ihrer Baugeschichte. Es ist die Zeit, in der die repräsentativsten Bauten Temeschburgs entstanden, die auch heute noch das europäische Stadtbild prägen.

Anton Zollner - München - 1994


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