DAS WAPPEN DER HAUPTSTADT DES BANATS (1997)  von Anton Zollner

 

Gleich nach der Befreiung Temeschburgs vom Türkenjoch erhielt die Hauptstadt des Banats ihr heraldisches Symbol. Laut Walter Jass soll der deutsche Magistrat der Stadt schon 1717 eine Petition an die Banater Landesadministration eingereicht haben, in der für die Bewilligung eines Stadtwappens plädiert wurde. Dieses erste Stadtwappen, das von der Landesadministration genehmigt wurde, zeigte „ein Stück eines palisadierten türkischen Wall's, in dessen Mitte sich zwischen zwei Schutztürmen der Torschlag öffnet" (Béla Schiff). Laut Hans Diplich war dieses Wappen schon 1718 auf dem Stadtsiegel des deutschen Magistrats zu sehen. Francesco Griselini behauptet, daß dieses Stadtwappen schon 1730 (!?) an die Stirnwand des Magistratsgebäudes als Relief angebracht wurde. Dies kann aber nicht möglich gewesen sein, weil mit dessen Bau erst 1731 begonnen wurde, und seiner Bestimmung hat man das „Stadthaus" erst 1734 übergeben. Griselini zitiert auch den lateinischen Text, der auf beiden Seiten des Wappens angebracht war. Die Inschrift lautete:

Olim quid fuerim, praesens insigna docebit,
Moenia quae circum Turcica structa vides
Caesareis vicit princeps Eugenius armis,
Quae tibi nunc fulgent, Mercius arte tulit

Dent autem Superi, postrema in saecula mundi
Optata hac semper conditione fruar.
Qua fruor augustis aquilae dum protegor alis,
Dum regit haec Sceptris Austria viva suis.

Die Übersetzung des ersten Teils lautet:

Was gewesen ich einst, das soll dies Zeichen dich lehren.
Rings auf türkische Art siehst du die Wälle erbaut,
Die mit des Kaisers Heeren der Prinz Eugen überstiegen.
Stolz prangt heute der Wall, Mercy's vollendeter Bau.

Bei der Übersetzung des zweiten Teils scheint es Schwierigkeiten gegeben zu haben, sowohl ins Rumänische (Dr. Nicolae Iliesiu) als auch ins Deutsche (Béla Schiff). In den letzten Versen wird der „erhabene Adler Österreichs" verherrlicht.


    

Abb.1- Das erste Stadtwappen Temeschburgs mit der lateinischen Inschrift  auf der Stirnseite des „Alten Rathauses" (nach Béla Schiff)  

Dies führte aber schließlich auch dazu, daß 1909 die auf der Abb.1 noch erkennbare Inschrift von den ungarischen Behörden aus national-politischen Gründen entfernt wurde. Auf der Abb.2 ist das erste Temeschburger „Stadtwappen" erkennbar, so wie es auch heute noch auf der Stirnwand des „Alten Rathauses" zu sehen ist.

    

Abb.2- Das erste Stadtwappen Temeschburgs (nach dem Heimatbuch  „Temeschburg-Temeswar")

 
1778 wurde das Banat als Kronland aufgelöst und an Ungarn angeschlossen. 1781, mit der Erhebung Temeschburgs zur „königlichen Freistadt", erhielt die Stadt auch ein neues Wappen (Abb.3a), das laut Walter Jass durch den Freibrief des Kaisers Josef II. genehmigt wurde.


    

Abb.3- Das Wappen der „königlichen Freistadt Temesvár" im Jahre 1781  (nach Walter Jass)

Béla Schiff gibt eine eifachere Form dieses Wappens an (Abb.4). Das Stadtwappen ist diesmal nach allen Regeln der Heraldik angefertigt worden.

 
    

Abb.4- Das Wappen der „königlichen Freistadt Temesvár" im Jahre 1781  (nach Béla Schiff)  

Das Wappenschild war in drei Teile aufgeteilt. Auf dem oberen linken Teil befanden sich auf einem purpurnen Feld vier silberne Streifen, die die vier großen Flüsse des Banats darstellten: die Donau, die Marosch, die Theiß und die Bega/Temesch. Auf dem oberen rechten Teil stand der alte Wasserturm Temeschburgs. Durch das offene Tor des Turms war ein Treibrad zu erkennen, und auf dem Turmdach wehten zwei identische purpurne Fahnen mit je einem silbernen Kreuz. Auf der unteren Hälfte des Wappenschildes war die Temeschburger Festung dargestellt, vor der, auf der linken Seite ein silberner Streifen die Bega repräsentierte. Rechts auf dem Himmel war eine sinkende Mondsichel zu sehen und links die aufsteigende Sonne mit menschlichem Gesicht. Diese Himmelskörper symbolisieren den christlichen Sieg über das moslemische Türkenjoch. Diese untere Hälfte des Wappenschildes ist in allen folgenden Stadtwappen bis heute erhalten geblieben, geändert wurde lediglich die Form der Darstellung. Diese Abbildung ziert auch das Wappen der Donauschwaben in Deutschland. Auf dem Schnittpunkt der drei Teile des Schildes befand sich ein kleineres Schild, auf dem der gekrönte kaiserliche Doppeladler mit dem Reichsapfel abgebildet war. Darauf befanden sich auch die Initialen des Kaisers Josef II., „J. II.". Das große Schild ist von zwei Rossen gehalten worden, und darüber befand sich eine gezackte Goldkrone. Das Wappen der königlichen Freistadt Temesvár fand auch im Stadtsiegel (Abb.5) seinen Platz.

 
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Abb.5- Das Siegel der „königlichen Freistadt Temesvár" im Jahre 1781  

Laut Richard Weber wurde dieses Stadtwappen auch nach dem Anschluß des Banats an Rumänien beibehalten, was in späteren Zeiten undenkbar gewesen wäre. Als einzige Änderung, die man 1919 unternahm, war die Ersetzung des josephinischen Brustschildes mit dem des Hohenzollern-Hauses. 1930 war es aber doch soweit, daß man am Temeschburger Stadtwappen einige weitere Änderungen unternahm, die den neuen Gegebenheiten gerecht wurden, da im aufgeteilten Banat, die Darstellung der „vier" banater Flüsse nicht mehr der Realität entsprach. Statt dessen bekamen im oberen linken Teil auf roter Grundfarbe die Traiansbrücke mit der Donau ihren Platz. Darüber erhob sich ein aufgerichteter Löwe. Das neue Wappen (Abb.6) mit geänderter Form des Wappenschildes erhielt auch anstelle der zackigen Krone einen kronenförmigen Wehrbau mit sieben Türmen auf das Wappenschild. Diese Türme sollten die sieben Provinzen des als Folge des Ersten Weltkrieges entstandenen Großrumäniens darstellen. Auch im unteren Teil des Wappenschildes wurde die Festung vereinfacht. Schließlich mußten auch die zwei Rosse aus dem Temeschburger Wappen weichen.

 

Abb.6- Das erste rumänische Stadtwappen „Timisoara"-s im Jahre 1930  

Nach der Ausrufung der „Rumänischen Volksrepublik" hatte man im Lande alle Städte und Kreiswappen abgeschafft. Erst Ceausescu ließ 1972, nachdem er seine national-kommunistische Orientierung offenlegte, die Stadt- und Kreiswappen wieder einführen. Damals erhielt Temeschburg sein viertes Wappen (Abb.7). Auch diesmal erhielt das Wappenschild eine neue Form, das aber nicht mehr gekrönt war. Von den drei Teilen des Wappenschildes sollte wieder der obere linke komplett geändert werden. Anstelle der Trajansbrücke mit dem Löwen sollte jetzt ein Symbol der „sozialistischen Industrialisierung" gesetzt werden. Dieses sollte aber auch auf die technische Tradition im Bereich der Elektronik anspielen. Die anderen Teilen blieben im wesentlichen unverändert. Selbstverständlich mußte auch das Hohenzollern-Brustschild einem sozialistischen Kennzeichen weichen. Die linke Seite des kleinen Schildes war mit dem Banner der Rumänischen Kommunistischen Partei und die rechte mit der Landestrikolore bedeckt. Darauf wurde das Staatswappen gesetzt. Unter dem Wappenschild befand sich ein Band mit der Inschrift „TIMISOARA" (Temeschburg).

 
     

Abb.7- Das kommunistische Stadtwappen Temeschburgs seit 1972 

Nach dem Sturz Ceausescus im Dezember 1989 entfachte sich in Temeschburg eine Diskussion über ein neues Stadtwappen. Der Munizipalrat setzte sich schon 1992 für die Wiedereinführung des Stadtwappens von 1930 ein. Diesem widersetzten sich bestimmte Kreise, weil nach ihrer Meinung „die sieben Türme auf dem Wappenschild die Königskrone repräsentiere", dem aber von der Mehrheit des Munizipalrats widersprochen wurde. Schließlich wurde im September 1995 von den Vertretern der Stadt die Wiedereinführung des alten Stadtwappens von 1930 beschlossen. Im oberen rechten Teil des Wappenschilds wurde die rechte Fahne auf dem Wasserturm durch eine durchlöcherte Blau-gelb-rot-Trikolore ersetzt (Abb.8).

 
    

Abb.8- Das Stadtwappen des postkommunistischen Temeschburgs seit 1995/96  

Diese Trikolore soll den Volksaufstand vom 16. Dezember 1989, der in Temeschburg ausgebrochen ist, symbolisieren. Trotz dieses Beschlusses wurde das Stadtwappen Temeschburg bis Mai 1997 offiziell nicht anerkannt. Jetzt hatte auch der 1996 neugewählte Munizipalrat dieses heraldische Symbol angenommen und es zum offiziellen Stadtwappen Temeschburgs erklärt.

Anton Zollner  - Juni 1997                                                                                    


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